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Weihnachtsdeko im John-Lewis-Kaufhaus.

Times mager

Vom englischen Weihnachtsmonster

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Die John-Lewis-Weihnachtswerbung ist da. England heult und diskutiert.

Viele Engländer haben seit einigen Jahren den Eindruck, die Weihnachtszeit beginne mit der Veröffentlichung der neuesten John-Lewis-Weihnachtswerbung. Das Traditionskaufhaus für den gehobenen Mittelstand lässt seit 2007 Werbefilme drehen, in denen niedliche Kinder, originelle Tiere / Wesen und beiläufig auch realistisch wirkende Geschenke vorkommen. Im vergangenen Jahr ein Gartentrampolin, auf dem sich in der Nacht vor Weihnachten Tiere des Waldes amüsieren, beäugt durch das Fenster vom Familienhund. Der lernfähige Hund nimmt am Morgen das neue Spielzeug in Beschlag, bevor sich das niedliche Mädchen, dem es eigentlich zusteht, versieht. Gewitzte Zeitgenossen erkannten darin eine, äh, Allegorie auf Trumps Wahlsieg gegen die qualifizierte Frau. Tatsächlich sieht man den Film dann mit anderen Augen.

In diesem Jahr entdeckt der niedliche Junge ein Monster unter seinem Bett, fürchtet sich zunächst, ist auch genervt vom Geschnarche. Bald schließen die beiden aber Freundschaft. Nachts ist im Zimmer jetzt der Hucki los, am Tag schläft der niedliche Junge im Fußballtor und beim Friseur ein. Am Ende schenkt das Monster dem niedlichen Jungen ein Nachtlicht, das, man könnte sich es vorstellen, bei John Lewis zu haben ist.

Der Regisseur des traditionell mit einem Covertitel, hier „Golden Slumbers“ von den Beatles, unterlegten Werbefilms, ist Oscar-Preisträger Michel Gondry. Schon beschweren sich Eltern, die ihren Kindern gerade versuchen klarzumachen, dass sich unter ihrem Bett mit absoluter Sicherheit kein Monster befindet. Der „Guardian“ kritisiert, der Film sei zu formelhaft. Das niedliche Kind, das goldige Monster. Nun, es ist eine Werbung.

Andere Engländer, viele andere Engländer sind in Tränen ausgebrochen, Tränen der Rührung, die seit ein paar Tagen über das Internet an die Öffentlichkeit quellen. Es gibt Fernsehstars, die vor laufender Kamera im Auge herumwischen. Tränen vielleicht auch, die sich gegenwärtig notfalls mit Gewalt Bahn brechen. Man bekommt schon den Eindruck einer schwerst labilen Nation, aber auch einer etwas unterbeschäftigten. Es kursieren bereits pfiffige Parodien.

Es hat zwar noch niemand gesagt, dass der irre glücklich endende Konflikt mit dem Monster auch das Verhältnis zwischen einem niedlichen, bloß etwas überforderten Engländer und der EU oder einem niedlichen, bloß etwas überforderten Engländer und dem Brexit illustrieren könnte. Angesichts des enormen John-Lewis-Weihnachtswerbungs-Kommentierungs-Bedarfs wird das aber nicht lange auf sich warten lassen.

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