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Times Mager

Das Ende

Wer weiß wie nahe mir mein Ende? Die Deutsche Bahn weiß es. Täglich erschreckt sie Millionen von Reisenden mit der entsetzlich final klingenden Durchsage "Der Zug endet hier!" Von Hans-Jürgen Linke

Wer weiß, wie nahe mir mein Ende? Die Deutsche Bahn weiß es. Täglich schockiert sie Millionen von Reisenden mit der entsetzlich final klingenden Durchsage "Der Zug endet hier!"

Nun ist nach wie vor der Zug in unserer irdischen Metaphernwelt ein Sinnbild für die Zuversicht, dass es schon irgendwie weitergehen wird. Es ist kein Zufall, dass man vom Zug der Zeit spricht, keineswegs aber etwa vom Passagierflugzeug der Zeit, und auch das anfällige System des Individualverkehrs hat bisher kein Automobil der Zeit etablieren können.

Gleichwohl: Als Nebenprodukt ihrer Privatisierung, sozusagen auf einem Nebenweg ihres Börsengangs, gibt die Deutsche Bahn zunehmend auch ihre Metaphern-Verantwortung preis und lässt Züge enden. Aus kommerziellen Erwägungen, so ist zu vermuten: Wenn ein Zug endet, muss man sich einen neuen suchen. Man muss Optionen überprüfen, vielleicht noch einmal über die Richtung nachdenken oder beharrlich und womöglich mit frischem Geld das alte Ziel im Auge behalten, man muss etwas tun, etwas investieren, und man kann sich schon mal nach Spezialangeboten umsehen.

Spezialangebote aber braucht niemand für den Zug der Zeit. Sehr gut gebrauchen dagegen könnte man Züge, auf die man sich verlassen kann. Züge, die zwar zwischendurch halten, um Fahrgäste aus- und einsteigen zu lassen, die uns aber die Zuversicht geben, dass sie uns zum Licht am Ende des Tunnels bringen werden. Gerade jetzt könnten wir so etwas brauchen, in diesen Tagen, die so kurz und dunkel sind und die wir keineswegs hinter uns haben werden, wenn jetzt bald das Jahr endet.

Enden Jahre wirklich? Enden Züge? Natürlich tun sie das, aber nur in einer Welt voll kleinmütiger Metaphern und enger Horizonte. Nicht aber in der Wirklichkeit da draußen. Die Fahrgäste aller Züge der Zeit dürfen sich getröstet fühlen. Man muss nur über den nächsten Querbahnsteig hinaus schauen, dann sieht man: Hinter diesem niedrigen Horizont geht es weiter. Andere Züge fahren, neue Durchsagen ertönen, es geht weiter. Nur Fahrpläne und banale vierstellige Zahlen ändern sich.

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