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Judith von Sternburg ist Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Rundschau.
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Judith von Sternburg ist Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Rundschau.

Kolumne

Am Ende gut

Sollte sich das Staatstheater Wiesbaden zum neuen Jahr vorgenommen haben, nie wieder seine Klarinetttennoten zu verschlampen, dann wäre dieser Vorsatz bereits am Abend des 4. Januar zunichte geworden.

Die ersten Enttäuschungen des neuen Jahres liegen bereits hinter uns. Die Agenturen melden still und kalt, dass auch in der näheren Umgebung Menschen sich gegenseitig mit Messern überfielen, alkoholisiert herumfuhren, in Kindertagesstätten einbrachen, Senioren beklauten und Paderborner Autofahrer mit Laserpointern irritierten. Infam.

Sollten sich die betreffenden Übeltäter vorgenommen haben, im neuen Jahr bessere Menschen zu werden, ist das kurzum bereits gescheitert. Das liegt aber nicht daran, dass dieser Vorsatz zu allgemein wäre. Zum Beispiel ist auch der Mann aus Minden gescheitert, der gewiss den Vorsatz gefasst hatte, nie von der dpa als „dümmste Unfallflucht“ 2011 deklariert zu werden (in Kalenderwoche 1!). Nun entfloh er aber aus einem Wagen, auf dem in handgroßen Ziffern seine Telefonnummer stand.

Und hier aus aktuellem Anlass ein weiteres Beispiel: Sollte sich das Wiesbadener Staatstheater vorgenommen haben, nie wieder seine Klarinettennoten zu verschlampen, dann wäre auch dieser Vorsatz bereits am Abend des 4. Januar zunichte geworden. Anlässlich einer Aufführung von Monteverdis „Krönung der Poppea“ waren sie unauffindbar. Man entschloss sich nach längerem Suchen, die Klarinetten durch Improvisationen zu ersetzen.

Für die Beteiligten war das sicher nicht so spaßig wie für die Zuschauer. Es gibt nichts Überraschenderes auf der Welt als einen Theaterbesuch. Auf der Bühne, auf der auch die Musiker saßen, so dass bloß keiner die leeren Klarinetten-Plätze übersehen konnte, war zu verfolgen, wie Nero seine Ehefrau brutal betrog und abservierte, einen bekannten Philosophen zum Suizid zwang und einen Angestellten im Vorbeigehen in der Badewanne ertränkte. Er allerdings sah nicht dumm dabei aus, sondern wie ein junger Gott.

Und doch gibt es auch Gutes zu vermelden. Die Wiesbadener „Poppea“, inszeniert von Markus Bothe, eingerichtet von Ricarda Beilharz und musikalisch geleitet von Samuel Bächli, ist nahezu perfekt. Nein, sie ist perfekt. Was mag da erst los sein, wenn die Klarinettennoten wieder auftauchen. Wer 2011 mehr in Kultur machen wollte, könnte hier wenigstens einen Vorsatz in den Februar retten.

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