+
So wie der Wald seine Bäume braucht, braucht der Sprachwald seine Wörter - am besten natürlich neue.

Times mager

Enable

  • schließen

Am Ende geht es doch darum, ein Produkt möglichst oft zu verkaufen.

Ohne Wörter ist die Sprache ja praktisch nichts wert, da geht es ihr nicht anders als dem Wald mit den Bäumen. Umso schöner, dass im deutschen Sprachwald immer neue Begriffe sprießen, dem Klima angepasst und oft ganz überraschend.

„So enablen Sie Vertriebspartner zu eigenem digitalen Dialogmarketing“, lautete der Titel einer Nachricht, die die Redaktion unangefordert erreichte, und nur die Älteren erkannten die Klangverwandtschaft zu dem schönen französischen Wort „les notables“, zu Deutsch „die Notabeln“, das einst die wichtigsten Persönlichkeiten bei Hofe bezeichnete.

Die Jüngeren dagegen fragten mit Recht, was dann die „Enabeln“ sein sollten, und lasen, umstandslos sich der englischen Aussprache bedienend, vor: „So einejbeln Sie Vertriebspartner zu eigenem digitalen Dialogmarketing“, die Versuche der Älteren, den Dativ zu retten („digitalem!“), überhörend.

Kollege T., einer der Älteren, dankte zwar dafür, zum besseren Verständnis der Marketingsprache „enejbelt“ worden zu sein. Er wandte allerdings ein, die Schreibweise müsse noch mal in Frage gestellt werden, man buchstabiere schließlich auch „googeln“ und „labeln“ und keineswegs „googlen“ oder gar „lablen“, allerdings sei Letzteres auch etwas anderes.

Unter den Älteren setzte nun ein massives Googeln ein, denn es hatte sich das Gefühl verbreitet, in Sachen Marketingsprache noch eine gewisse Enablung nötig zu haben. Schnell fand sich Aufklärung, etwa über das Wirken eines „Junior Consultant“: „Sie … unterstützen unsere Kunden z.B. in den Bereichen Time-to-Market. Planung und Forecasting, strategisches Sourcing und Allokation“ usw. Alle lachten, nur der Praktikant wollte wissen, wo der Witz sei, aber das hätte er besser gelassen.

Die größte Begeisterung löste ein Interview auf der Seite „BWL-studieren.com“ aus, in dem Robert K., Senior Account Manager bei einer Werbeagentur, die schönsten Geheimnisse lüftete.

„Am Ende ist es doch so, (fast) jedes Unternehmen möchte Umsatz und vor allem Profit machen, deshalb geht es je nach Produkt dieses Unternehmens darum, es möglichst häufig zu verkaufen.“ Potztausend! Oder: „Man trifft viele interessante Menschen, weil man auch so viele verschiedene Dinge machen kann um, wie in unserem Fall, Verkauf zu fördern.“ Aber welche Dinge? Etwa kommunizieren?

Das könne nicht sein, wandte Kollege T. ein, denn Robert K. kommuniziere offensichtlich lediglich am Abend: „Mein Job ist am Ende des Tages Kommunikation.“ Da müsse die Frage erlaubt sein, was der Senior Account Manager am Anfang und in der Mitte des Tages tue oder auch am Nachmittag. Die Jüngeren gingen essen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion