1. Startseite
  2. Kultur
  3. Times mager

Eltern

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Judith von Sternburg

Kommentare

Ja, in diesem Alter ist die Welt noch in Ordnung.
Ja, in diesem Alter ist die Welt noch in Ordnung. © Waltraud Grubitzsch/dpa

Kinder glauben ihren Müttern und Vätern am Anfang echt fast alles. Dann nicht mehr.

Die Verwandten starren auf das niedliche Kind, das es gut haben soll, und das Kind macht Glucks und die Erwachsenen lachen, und das Kind lacht auch. Es ist dabei unwesentlich, dass das Kind vielleicht nur den Mund verzieht, weil die großformatigen Wesen in seiner Umgebung das tun. Wenn das frühe Lachen bloß Imitat und Anpassung ist, so dürfte es doch von Nutzen sein. Das Kind ist auf diese Großformatigen angewiesen und wird es noch lange bleiben. Kein Problem, alle wollen nur sein Bestes.

Das ist sehr gut, auch wenn über der Eingangstür zur Schule damals stand: „Sie wollen nur unser Bestes, aber das geben wir ihnen nicht.“ Einer Schule, die übrigens Jahre später abbrannte wie im kühnsten Pennäler-Traum. Nur nutzt es in der Realität nichts. In der Realität ist es großer Mist.

Es ist trotzdem sehr gut, auch wenn Rachel Cusk jetzt den Satz dazwischenruft: „Bis zur Pubertät ihrer Kinder haben die Eltern die Familiengeschichte mehr oder weniger unter Kontrolle. Natürlich spielen die Kinder die Hauptrolle, erst sie machen die Geschichte interessant oder reizvoll, doch sie bleiben Figuren. Sie sind dem Leben entnommen, fristen ihr Dasein aber in der Vorstellung der Autoren.“ Stimmt, das sind drei Sätze. Sie sind dem bei Suhrkamp erschienenen Band „Coventry“ mit Essays der kanadischen Autorin entnommen, wir werden darauf zurückkommen. Aber die Erwachsenen haben vorerst daran zu knabbern, dass sie Dramatiker und Dramatikerinnen, Regisseurinnen und Regisseure sein sollen, Strippenzieherinnen und Strippenzieher, während sie doch in erster Linie Ermöglicher und Ermöglicherinnen sein wollen. So fühlen sich freilich die meisten, die am Theater etwas zu sagen haben, also als die, die etwas ermöglichen. Das sei doch übertrieben, sagt entsprechend B., sie lasse ihren Kindern alle Freiheiten. D. hingegen erzählt, dass sie bestürzt gewesen sei, als sie begriffen habe, wie sehr ihre Kinder alles glaubten, was sie ihnen sage. Man verstehe, so D., erst nach und nach das Ausmaß, in dem Kinder die Welt durch die Augen ihrer Eltern kennenlernen. „Wenn ich ihnen beibringe, dass die Sonne um die Erde fliegt, dann ist das für sie so.“ Ein unverfängliches Beispiel, sofort wird es komplexer. B. erinnert sich an das Kindergartendrama, als ein Mädchen erfuhr, dass es keinen Weihnachtsmann gibt.

Nun, man könne ja auch nicht direkt sagen, dass es keinen Weihnachtsmann gebe, wirft S. ein. Denn alle schleppen sie noch hinter sich her, die alten Geschichten. Das niedliche Kind wartet ab, lässt die Großformatigen reden und macht Quak. Es quakt angeblich schon anders, als es ein japanisches Kind täte. Ihre Mutter habe ihr das mal erklärt, erinnert sich D..

Auch interessant

Kommentare