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Gibt's doch eigentlich gar nicht: Vespa-fahrende Weihnachtsmänner in Zürich.

Times mager

Eltern

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Auch in diesem Jahr müssen wir darauf hinweisen, dass es den Weihnachtsmann wirklich nicht gibt.

Freundliche riesengroße Stadtpolizisten, die rund um einen Weihnachtsmarkt kürzlich Schokoladenlutscher (oder so) verteilten, brachten einige Kinder damit in Bedrängnis. Die meisten waren zwar ausgesprochen froh und bedankten sich artig. Einige sahen sich aber auch offenkundig vor dem vertrauten Dilemma, erstens von Fremden auf keinen Fall etwas annehmen zu dürfen, zweitens die von Menschen jeden Alters zu Recht ebenfalls erwartete Höflichkeitsregeln einhalten zu müssen und drittens vermutlich ganz gerne von einem riesengroßen Stadtpolizisten – quasi weihnachtsmannförmig, dazu imposant uniformiert und behördlich legitimiert – ein Schokolädchen geschenkt zu bekommen. Die Begegnungen verliefen unterschiedlich. Es gab Eltern, die ihre Kinder nun zur Annahme ermutigten, andere ließen die freundlichen riesengroßen Stadtpolizisten brüsk stehen, die ihre Sache seriös und rücksichtsvoll vertraten, indem sie durchaus zunächst Augenkontakt zu den Eltern suchten, ein „Darf ich?“ im Blick und zuweilen auf den Lippen. Kinder, die alleine unterwegs waren, sprachen sie nicht an. 

Ein Kind erschrak und weinte noch immer, als die Mutter ihm erklärte, das seien doch die Guten. Es ist schwierig, sich in der Welt zurechtzufinden. Die Brüskheit der brüsken Eltern war allerdings brüsk. Sie wäre leichter nachzuvollziehen gewesen, wenn alle zehn Meter Stadtpolizisten / Weihnachtsmänner aus Hauseingängen gesprungen wären, um Kindern überfallartig Zähne, Figur und Wachsamkeit mit Süßigkeiten zu ruinieren. So war es aber nicht.

Brüsk reagierten jüngst auch die Eltern in New Jersey – die FR berichtete –, deren Kinder in der 1. Klasse lernten, dass es keinen Weihnachtsmann gibt, ferner keinen Osterhasen, keinen „Elf on the Shelf“, keine Kobolde und keine Zahnfee. „Elfe auf dem Regal“ beruht auf einer Geschichte über eine Kinder-Ausspionier-Truppe des Weihnachtsmanns. Der darf offenbar alles. Die Lehrerin hingegen wurde nach einer Internetempörungswelle der Eltern entlassen. Einige erinnern sich vielleicht noch daran, dass es vergangene Saison einen ähnlichen Fall in Italien gab. Dort war ein Dirigent der Spielverderber. Er hätte auch eher schweigen können als eine Lehrerin.

Auch in diesem Jahr müssen wir also darauf hinweisen, dass es den Weihnachtsmann wirklich nicht gibt und anderslautende Behauptungen eine Lüge sind, nett gemeint, aber eine Lüge. Es ist auch nicht schlimm, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt, denn Geschenke gibt es trotzdem und von lieber Hand.

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