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Von: Michael Hesse

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Musk hat Twitter gekauft. Was ist zu tun?
Musk hat Twitter gekauft. Was ist zu tun? © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Wie sagte schon Immanuel Kant? „Gott bewahre uns nur vor unseren Freunden!“

Er gilt als genial, größenwahnsinnig, gefährlich. Die Rede ist von niemand anderem als von Elon Musk. Der Südafrikaner hat den Kurznachrichtendienst Twitter gekauft – und sogleich der Belegschaft mit umfangreichen Kündigungen gedroht. Den Twitter-Finanzchef hat er bereits gefeuert. Nach dem ersten Übernahme-Angebot wollte Musk eigentlich aus dem Deal aussteigen. Doch da hatten andere längst die Schlingen ausgelegt, so dass der mächtige Tesla-Gründer nicht mehr aus der Nummer herauskam.

Experten sagen, die Übernahme sei eigentlich eine Niederlage für den kraftstrotzenden Wirtschaftsboss und Visionär. Carl Icahn gilt als jener Bösewicht, der dies zustande gebracht hat. Ein Bösewicht deshalb, weil die Geschäftspraktiken des nunmehr 86-Jährigen jenen des legendären Finanzhais Gordon Gekko in dem Film „Wall Street“ als Vorbild dienten. Er hatte massenhaft Aktien von Twitter gekauft, als Musk aus dem Deal aussteigen wollte. Nun verdient Icahn Hunderte Millionen Dollar, da nach Bekanntgabe des Deals der Aktienkurs von Twitter in die Höhe schoss. Bitter für Elon Musk, er wird ihm die Summe von mehreren Millionen Dollar überweisen müssen.

Aber Musk, sagen Kenner, gehe es mit der Übernahme ja vor allem um politische Macht, gar nicht so sehr ums Wirtschaftliche. Unter ihm könne das „Vögelchen“ nun wieder beherzt in Freiheit zwitschern, teilte der Twitter-Boss mit. Die Meinungsfreiheit sei ein so hohes Gut, dass er deren Freiheit über alles stellen werde. Viele glauben deshalb, Musk müsse einen Vogel haben. In Zeiten von Hate Speech, Hass und Hetze sei ein solches Ansinnen, einen rechtsfreien Kommunikationskanal zu schaffen, grob fahrlässig. Twitter könnte unter ihm zu einem Biotop der Ungeheuerlichkeiten mit Beleidigungen und Verleumdungen verkommen. Der Angriff auf den Ehemann der Demokratin und Sprecherin des US-Repräsentantenhauses Nancy Pelosi zeigte, wie gefährlich Hate Speech sein kann.

Musk ist es egal. Er stellte dem früheren US-Präsidenten Donald Trump ein Comeback auf Twitter in Aussicht. Der lehnte ab, er hat seinen eigenen Dienst geschaffen, über den er Fake News ungehindert verbreiten kann.

Die Frage stellt sich, was man als Twitter-Nutzer tun kann. Vielleicht einfach massenhaft das Medium wechseln? Warum nicht. Musk entgegnet seinen Kritikern, er wolle doch nur der Menschheit helfen, „die ich liebe“. Doch auf solche Hilfe sollte man besser verzichten. Wie sagte schon der Philosoph Immanuel Kant (1724-1804): „Gott bewahre uns nur vor unseren Freunden! Vor unseren Feinden wollen wir uns wohl selbst in Acht nehmen.“

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