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Schön und gefährlich liegt der Eisberg da und erinnert so an den Loreley-Felsen.
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Schön und gefährlich liegt der Eisberg da und erinnert so an den Loreley-Felsen.

Times mager

Eisberg

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
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Hat die Loreley verdammte Ähnlichkeit mit einem Eisberg? Man kann es so sehen.

Verflixte Gegend, verflixt wegen der lebensgefährlichen Felsen. Und verflucht wurde sie wegen des einen, hoch oben. Ihm galt das Augenmerk, und das war fatal, denn darüber wurden die Gefahren unter Wasser glatt übersehen. Denn was an Gestein aus dem Strudeln ragte, musste ja nicht der ganze Felsen sein.

Risiko, sagt der Reisende, hebt dazu ein wenig die Stimme, wie man das so macht bei diesem Wort. Und der Gegenübersitzende im Großraumwagen lächelt, weil er sich bestätigt fühlt, während der IC durch das Mittelrheintal gleitet, und der eine Reisende sagt: Risiko, aber damit meine er nicht nur die ungeheuren Gefahren für die Flussschifffahrt, hier, im Bannkreis der Loreley, sondern auch die Metapher, die Eisberg-Metapher, denn, so sagt er: Bei aller Liebe, aber Eisberg, das sei doch wohl ein wenig riskant?

Oh, erwidert der Gegenübersitzende im Großraumwagen, er wolle jetzt nicht rechthaberisch wirken, aber es sei nun mal nicht aus der Luft gegriffen, dass der Eisberg seine größere Ausdehnung unter der Wasseroberfläche habe. Welche Tücken also, und von den besonderen Gefahren, die der Fluss biete, habe schon 1789, also im Jahr der Revolution, ein gewisser Joseph Gregor Lang zu erzählen gewusst. Wilde Geschichten, und zwar im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen ergänzt der Reisende. Regelrecht als Langweiler sei die Gegend doch ansonsten hingestellt worden, und so kolportierten es bis heute Bücher oder Ausstellungen, dass die neue Sicht auf eine pittoreske Weltgegend erst mit der Rheinreise der Romantiker Clemens von Brentano und Achim von Arnim eingesetzt habe.

Wie falsch!, hebt der IC-Reisende, um seine Geschichte fortzusetzen, seine Stimme. Gewiss, in Erinnerung sei auch das Urteil des Aufklärers, Revolutionärs, Schriftstellers, nicht zuletzt des Weltreisenden Georg Forster gewesen, der den deutschen Strom an den überwältigenden Schönheiten in aller Welt gemessen habe, und, damit verglichen, zu einem für die Gegend niederschmetternden Urteil gekommen sei. Einförmig, ermüdend. Reizloser Rhein! Die beiden IC-Reisenden schauen aus dem Fenster.

Nun, machen wir uns nichts vor, setzt der Reisende seinen Exkurs fort: Schon Joseph Gregor Lang habe die ungebärdige Naturszenerie zu schildern gewusst. Und auch wenn man nicht sagen könne, dass die Romantiker, ob Brentano oder Arnim, bei ihren Rheinschilderungen auf den Schultern eines Riesen gestanden hätten, so müsse man schon sagen – und da unterbricht ihn der Mitreisende, weil er mitgedacht hat: Sagen Sie jetzt nicht Eisberg!

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