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Einer von zahlreichen jams Bonds: Schauspieler Daniel Craig.

Times mager

Der Einsilbige

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Mit Bond, James Bond entstand ein wahres Stehaufmännchen, Pardon, ein Stehaufmann in mehr als einem Sinn. Ein Prototyp gewissermaßen für den mit gar nichts lang fackelnden Agenten.

James Bond kommt nicht aus Bochum“, meldete eine Oldenburger Zeitung just, es klang ein wenig enttäuscht. (Aber die Bochumer haben doch immerhin eine Grönemeyer-Stadthymne. Und 1974 durften sie Wattenscheid eingemeinden, wodurch überhaupt erst obige Überschrift möglich wurde.) Ein gewisser Pearsons, John Pearsons, hatte sich 1973 in seiner „autorisierten Biografie von 007“ zu Wattenscheid als Geburtsort bekannt, legte dafür freilich keine schlagenden Beweise vor. Prompt entstand eine Schweiz-Partei: Baby James müsse in der Schweiz geboren sein, meinte diese Bond-Fan-Fraktion und unterstützte Charlie Higson, Autor einer „Young Bond“-Serie.

Wir meinen: egal, wo der kleine James zuerst am Fläschchen nuckelte (geschüttelt, nicht gerührt), er konnte nur so berühmt werden, weil seine treusorgenden Eltern ihm den genau richtigen Agentennamen vererbten: Einsilbig, männlich, hart. Nicht viel wäre aus dem Jungen geworden, hätte er seine Widersacher konfrontieren müssen mit, nur als Beispiel, „Leutheusser-Schnarrenberger, Siegfried-Emil Leutheusser-Schnarrenberger.“

Mit Bond, James Bond entstand ein wahres Stehaufmännchen, Pardon, ein Stehaufmann in mehr als einem Sinn. Ein Prototyp gewissermaßen für den mit gar nichts (Name, Knarre, Sex) lang fackelnden Agenten. Vor Jahren schon hat er sich von seinem Schöpfer Ian Fleming abgenabelt, der nicht nur nicht zweimal leben konnte (das ist durchaus normal), sondern auch noch mit 56 Jahren an einem Herzinfarkt starb: am morgigen Dienstag ist sein 50. Todestag. Wenigstens durfte Fleming das, was man heute Hype nennen würde, noch erleben, denn schon der erste Bond-Band („Casino Royale“, 1953) wurde zum Bestseller.

Fleming hatte durchaus Absichten, als er sich 1953 den Namen James Bond bei einem Vogelkundler (!) lieh, dem 1989 verstorbenen Autor von „Birds of the West Indies“ oder „Nesting of the Harpy Eagle“. Rückblickend soll Fleming erklärt haben, dass „dieser knappe, unromantische, angelsächsische und doch sehr maskuline Name genau das war, was ich brauchte“. Wenig charmant fügte er hinzu: „Ich wollte, dass Bond ein extrem langweiliger, uninteressanter Mann ist, dem die Dinge zustoßen (...) Ich dachte, bei Gott, das ist der langweiligste Name, den ich je gehört habe“.

Der Ornithologe James Bond hat es nicht übelgenommen. Er hatte für seine fliegenden Helden ja auch die prächtigsten Namen: Lachsschnabelsaltator, Braunschopftyrann, Zimtkopfspecht, Rotnacken-Buschammer, Tolimataube oder Blauflecktangare.

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