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Seit Menschengedenken isst man freitags in der Kantine keinen Fisch mehr. Sonst aber schon.

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Aktuelles vom Tage: Der neue Möbelkatalog ist da und verheißt „Kalbsleber ,Berliner Art‘ auf Kartoffelpüree“ für 4,95 Euro. Und in der Kantine gab es Fisch.

Damit Sie auf dem Laufenden bleiben: In der Kantine gab es gestern Fisch. Man kann daran sehen, dass die christliche Grundierung dem abendländischen Deutschland keineswegs abhandengekommen ist, und das gilt nicht nur für Schützenvereine. Die Gefolgschaft des dreieinigen Gottes isst seit Menschengedenken in der Kantine freitags kein Fleisch, und das ist auch gut so, weshalb sich niemand beschwert.

Anders sieht es natürlich aus, wenn eine Partei das Gleiche fordert und „Veggie Day“ nennt. Für so etwas kann man bei uns Wahlen verlieren, aber der Freitag ist und bleibt uns heilig. Wäre es nicht unser Gott, sondern ein anderer, wir würden glatt von „Gottesstaat“ reden, aber das wäre übertrieben, denn wir sind frei, zu Porta zu gehen.

Porta ist das, was Laien ein Möbelhaus nennen, aber „einrichten ist mehr als nur möbel kaufen“. Der jüngste Prospekt verheißt „Kalbsleber ,Berliner Art‘ auf Kartoffelpüree“ für 4,95 Euro, und das macht doch einiges her, zumal in einer Einrichtung, die sich „Café/Restaurant Toscana“ nennt. Die Kalbsleber ist übrigens „gültig bis 19.8.“, auch freitags, falls Sie mal schauen möchten.

Zwei Haken hat die Sache

Wir wollen allerdings nicht verschweigen, dass die Sache zwei Haken hat. Erstens: „Bitte nur vor Ort verzehren“, da hat unsere Kantine die Nase weit vorn und schweißt auch schon mal ein. Zweitens: „Leider nicht in Stendal“. Klar, wie sollen wir die Kalbsleber in Stendal essen wollen, wenn wir sie eh nur vor Ort verzehren dürfen, fragten wir uns zunächst, aber Sie wissen schon, wie das gemeint war.

Hat Porta Stendal kein „Café/Restaurant Toscana“? Oder essen die da keine Leber, obwohl sie zum Beispiel in Dessau-Roßlau und Görlitz-Klingewalde offenbar widerstandslos verzehrt wird?

Überhaupt entlockt uns die Schriftsprache des Einzelhandels das eine oder andere Fragezeichen. Denken Sie nur an die „Vollwachmittel“, die ein Edeka auf großer Tafel anpries, obwohl im Regal deutlich erkennbar „Anti-Kalk“ feilgeboten wurde. Sollte dahinter ein geheimer Zusammenhang zwischen Müdigkeit und Altersgedächtnisschwäche stecken?

Bei Porta gibt es übrigens nicht nur Kalbsleber und „alle leuchten solange vorrat reicht“, sondern auch „NEUE TRENDS ZUM MITNEHMEN“. Wir empfinden es als absolut lebenserleichternd, ideelle Angelegenheiten wie Trends nicht mehr aufspüren und erfassen oder ihnen folgen zu müssen, sondern sie bei Porta mitnehmen zu können. Dafür verzehren wir die Leber gern vor Ort. Es gibt dafür bei Porta sogar ein „individuelles Tischsystem der viele Möglichkeiten“.

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