Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Sylvia Staude ist Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Rundschau.
+
Sylvia Staude ist Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Rundschau.

Times Mager

Mit einem Ohr

Zwei US-Piloten schafften es kürzlich in die Schlagzeilen - und waren anschließend ihren Job los, weil sie 150 Kilometer zu weit geflogen waren. Sie seien, sagten sie, mit dem Computer beschäftigt gewesen. Von Sylvia Staude

Zwei amerikanische Piloten schafften es kürzlich in die Schlagzeilen - und waren anschließend ihren Job los, weil sie 150 Kilometer zu weit geflogen waren. Sie seien, sagten sie zur Entschuldigung, mit dem Computer beschäftigt gewesen (offenbar nicht mit dem Bordcomputer). Und was sind in einem Land wie den USA schon 150 Kilometer?

Nun denken Sie: Auf dem Bildschirm müssen tolle Sachen zu sehen gewesen sein. Etwa Madonna, wie sie diesmal Hillary Clinton küsst. Oder Barack Obama beim Seitensprung mit Monica Lewinsky (was ist eigentlich aus der geworden?). Aber es genügt offenbar schon, nur mit einem Ohr an einem elektronischen Gerät zu hängen, um die Welt auszublenden: Bäume, Häuser, Mitmenschen, auf einem Einrad radelnde Clowns.

Auf einem Einrad radelnde Clowns? Wissenschaftler der Western Washington University haben einen optisch durchaus auffälligen Spaßmacher über den Campus geschickt. Und danach die Passanten befragt, ob sie ihn gesehen hatten. Von den, mehrheitlich, Studenten, die sich mit einer körperlich anwesenden Person unterhielten, hatten immerhin noch gut die Hälfte mitbekommen, dass ein Clown auf einem Einrad über den Campus geradelt war. Von den telefonierenden Studenten war es gerade noch ein Viertel: Offenbar sind 75 Prozent aller Menschen damit überfordert, ihre Aufmerksamkeit gleichzeitig auf eine Stimme und die Landschaft zu richten.

Das lässt den Schluss zu: Handys sind mindestens karriereschädigend, potenziell lebensgefährlich. Denn statt des Clowns auf dem Einrad hätte auch ein schlecht gelauntes, dem Zoo entsprungenes Rhinozeros über die Wiese galoppieren können. Oder ein Flugzeug notlanden, dessen Piloten den Seattle-Tacoma International Airport just um 90 Meilen verpasst hatten. Oder grimmig der Professor schreiten, dem man am Telefon versichert, man liege leider mit Migräne im Bett, ob man noch mal über den Abgabetermin reden könne ...

Da wundert es nicht mehr, dass mit Smartphones, Blackberrys, Laptops überausgerüstete Banker und Manager nicht merkten, wie eine dicke fette Krise auf einem Einrad auf sie zukam.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare