Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Auf der Liste der schnellsten Länder belegt Deutschland Platz drei hinter der Schweiz und Irland.
+
Auf der Liste der schnellsten Länder belegt Deutschland Platz drei hinter der Schweiz und Irland.

Times mager

Eine Minute

  • Sandra Danicke
    VonSandra Danicke
    schließen

Zeit ist bekanntlich relativ. Die Mexikaner mögen es langsam, in Japan zählt jede Minute.

In seinem Buch „Eine Landkarte der Zeit“ berichtet der US-amerikanische Zeitforscher Robert Levine, wie er und seine Mitarbeiter vor gut zwanzig Jahren 31 Länder bereist und dort Versuchsreihen zum Thema Zeit durchgeführt haben. Sie maßen die durchschnittliche Gehgeschwindigkeit zufällig ausgewählter Fußgänger, stoppten die Zeit, die ein Angestellter am Postschalter für den Verkauf einer Briefmarke brauchte und werteten die Genauigkeit von 15 zufällig ausgewählten Uhren an Bankgebäuden in der Stadt aus. Das langsamste Land war Mexiko.

In Mexiko ist das Leben voller bürokratischer Prozeduren, schreibt Levine. „Die Erneuerung eines Führerscheins zum Beispiel kann einen ganzen Tag Schlangestehen bedeuten. Tag für Tag warten die Menschen in Mexiko auf Formulare, Genehmigungen, Visa und was sonst noch erteilt werden muss. Eile findet man in Mexiko offenbar suspekt, und Pünktlichkeit gilt regelrecht als unhöflich.

Ist man zum Beispiel um 19 Uhr auf eine Party eingeladen, brächte man die Gastgeber in Verlegenheit, würde man tatsächlich um diese Uhrzeit erscheinen. „In Mexiko erwartet man in jedem Fall, dass die Leute zu spät kommen. Wenn eine Konferenz oder eine Versammlung auf 11 Uhr anberaumt ist, dann heißt das nach hora mexicana, dass sie um 11.15, 11.30 oder sogar um 12 Uhr beginnt, je nach den Umständen“, erklärt im selben Buch der Psychologe Sergio Aguilar-Gaxiola. Einen, der pünktlich erscheint, frage man dann schon mal, ob er etwa zum Putzen gekommen sei.

Auf der Liste der schnellsten Länder belegt Deutschland Platz drei hinter der Schweiz und Irland. Japan (Platz vier) hätte eigentlich weiter vorne hingehört, schreibt Levine, aber die Postbeamten hätten den Durchschnittswert vermasselt, weil sie die einzelnen Briefmarken in hübsche kleine Päckchen verpackt hätten. Dafür ist hier also Zeit. In anderen Arbeitsbereichen gilt das nicht.

Wie jetzt bekannt wurde, kürzte ein japanisches Bahnunternehmen einem Lokführer seinen Lohn, weil er eine Minute zu spät im Zugdepot ankam. Der Lokführer hatte versehentlich am falschen Gleis gestanden und konnte die dadurch entstandene Verspätung von zwei Minuten nicht mehr restlos aufholen. Umgerechnet 33 Cent zog die West Japan Railway dem Angestellten von seinem Lohn ab, weil er in den zwei Minuten am falschen Bahnsteig „nicht gearbeitet“ hätte.

Das wollte der Zugführer nicht hinnehmen. Er ging vor Gericht und verklagte die Firma wegen „seelischer Qualen“ auf 17000 Euro Schadenersatz. Eine Entscheidung steht noch aus, aber wenn man das so liest, muss man doch zugeben, dass Mexiko Sympathiepunkte hinzu gewonnen hat.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare