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Gibt es unter den Frankfurter Straßenbahnfahrern tatsächlich genau einen Polen und einen Portugiesen, so dass die Herkunftsbezeichnung als Namensersatz sinnvoll erscheint?
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Gibt es unter den Frankfurter Straßenbahnfahrern tatsächlich genau einen Polen und einen Portugiesen, so dass die Herkunftsbezeichnung als Namensersatz sinnvoll erscheint?

Times mager

Ein Pole?

  • VonSandra Danicke
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Da kommt ja die Frau Kleinkariert? Originelle Anrede-Versuche unter Kolleginnen und Kollegen.

Haltestelle Hauptbahnhof, Schichtwechsel bei der Straßenbahn. Der sich in den Feierabend verabschiedende Fahrer begrüßt den Kollegen lautstark mit folgenden Worten: „Der Pole ist zu spät!“ Worauf „der Pole“ erwidert: „Der Portugiese hat keine Ahnung.“ Es gesellen sich noch ein Grieche und ein Herr ungeklärter Herkunft hinzu, die Kollegen scherzen, lachen - und machen sich an die Arbeit, sofern sie nicht Feierabend haben.

Als Fahrgast kommt man ins Grübeln. Gibt es unter den Frankfurter Straßenbahnfahrern tatsächlich genau einen Polen und einen Portugiesen, so dass die Herkunftsbezeichnung als Namensersatz sinnvoll erscheint? Kann man sich Nationalitäten besser merken, als Nachnamen? Oder kommen erstere nur in Spezialfällen zum Einsatz, wenn etwa der Kollege Herr Przybyszewski heißt?

Gerne hätte man dem Gespräch der Fahrzeugführer noch etwas länger gelauscht, um diverse Unklarheiten zu beseitigen. Etwa die Frage, ob man sich unter Straßenbahnfahrern duzt, wie es unter Supermarktangestellten üblich ist („Herr Honnef, kannst du bitte mal das Käseregal auffüllen?“). Und heißt es dann „Pole, du übernimmst heute die 18 an der Konstablerwache“, was seltsamerweise sehr unhöflich klingt, oder muss es in diesem Fall„Herr Pole“ heißen?

Denkbar ist natürlich auch, dass es sich bei der Anrede um einen Insiderspruch handelt. Dass die Mitarbeiter der hiesigen Verkehrsbetriebe gerade jene Klischees, mit denen sie im Alltag konfrontiert werden (Polen sind unpünktlich, Portugiesen schlecht informiert), untereinander im Scherz anwenden. Wäre es so, dann wäre dies eine Methode, die sich in diversen Subkulturen großer Beliebtheit erfreut, die sich aber durchaus auch in anderen Gesellschaftskreisen zur zwanglosen Kommunikation anböte.

Wie wäre es zum Beispiel, wenn man in Büros und Fabriken nicht mehr heimlich übereinander lästerte, sondern einander mit einem heiteren „da kommt ja die Frau Kleinkariert“ oder „Hallo, Herr Korinthenkacker“ begrüßte? Wäre das nicht enorm entlastend? Und sogar lustig? Voraussetzung für ein solches, zugegebenermaßen dreistes Vorgehen wäre natürlich, dass es sich dabei nicht um echte Verfehlungen handelt, man will schließlich niemanden öffentlich diffamieren.

Was die Straßenbahnfahrer betrifft, so sind Herkunftsbezeichnungen natürlich keine Schimpfworte. Im Gegenteil. Wenngleich unserereins immer mal wieder beschämt unter sich schaut, wenn im Supermarkt ein belustigtes „die Deutsche hat nach Kaffeefiltern gefragt“ durch die Gänge schallt.

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