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Ist das jetzt ein Eichkatzerl  oder ein Eichkater?
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Ist das jetzt ein Eichkatzerl oder ein Eichkater?

Times mager

Eichhörnchen

  • Stephan Hebel
    vonStephan Hebel
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Es gibt Menschen, die sich schon bevormundet fühlen, wenn jemand außer Hörweite gendert. Achtung, für sie ist das eine etwas schmerzhafte Kolumne.

Dieser Text wird den waghalsigen Versuch unternehmen, von der Benennung vertrauter Tierarten zu grundlegenden Problemen des angemessenen Sprachgebrauchs mit besonderer Berücksichtigung von Geschlechterfragen überzugehen, ohne dass es Sie, die lieben Leserinnen und Leser, allzu sehr schmerzt.

Beginnen wir bei dem Eichhörnchen, das Sie, wenn Sie möchten, gerne auch Eichkatzerl, Eichkater, Eicherli, Eichhase oder Baumfuchs nennen können, je nachdem, welcher Mundart Sie mächtig sind. Als beachtlich im Zusammenhang der später anzusprechenden Identitätsfragen ist bereits hier festzuhalten, dass es sich durchaus um zwei Eichkater handeln könnte, wenn Baumfuchs und Eichhase sich „Gute Nacht“ sagen sollten, gleich welchen Geschlechts.

Warum das Eichhörnchen Eichhörnchen heißt, ist laut Wikipedia umstritten. Gesichert scheint nur die folgende Information, die allerdings nicht weiterhilft: „Die wissenschaftliche Bezeichnung Sciurus setzt sich aus altgriechisch skia ‚Schatten‘ und oura ‚Schwanz‘ zusammen. Das griechische Wort rührt von der in der Antike verbreiteten Ansicht her, dass sich Eichhörnchen mit ihrem gewaltigen Schwanz selber Schatten geben könnten.“ Auch damit ist über das Geschlecht wahrscheinlich noch nichts gesagt.

Positiv ist auf jeden Fall hervorzuheben, dass es Ihnen freisteht, das Eichhörnchen entweder als Eichhörnchen (Neutrum) oder als Eichkatzerl (eher weiblich) oder als Eichkater (männlich) zu bezeichnen. Wenn Sie allerdings zu den Menschen gehören, die beim Gendern gleich erhöhten Blutdruck verspüren, werden Sie sicher einen (Achtung!) Leser:innenbrief schreiben, sobald Ihnen vorgeschlagen wird, ein weibliches Eichhörnchen als Baumfüchsin oder gar -häsin zu bezeichnen, was Ihnen allerdings in Wirklichkeit niemand vorschlägt.

Egal, es gibt Menschen, die sich schon bevormundet fühlen, wenn jemand außer Hörweite gendert. Sie finden so etwas unnatürlich, lieben das generische Maskulinum (männliche Form, gilt für alle und Schluss) über alles, Ende der Durchsage. Und Sie würden es sich verbitten, wenn ihr weiblicher Besuch sich als „Gästin“ bezeichnete. Moderner Mist!, Gender-Gaga!, Sprachverhunzung!

Achtung, jetzt wird es schmerzhaft, es folgt ein Zitat aus dem Grimm’schen Wörterbuch: „GÄSTIN, Gastin, f., weiblicher Gast, selten gebraucht, doch schon althochdeutsch kestîn …, ziemlich oft mittelhochdeutsch gestinne, gestîn.“ Sollten Sie jetzt empört zu Ihrer Frau laufen, um ihr von dem Unsinn zu erzählen, sprechen Sie sie doch mal nach Art der Grimm-Brüder an: „Lieblingin“ (Wörterbuch, Band 12, Spalte 973).

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