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Eine Liveübertragung in Echtzeit.
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Eine Liveübertragung in Echtzeit.

Times mager

Echtzeit

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Es gibt Dinge, die verlieren sich im Unklaren. Vorab werden wir aber versuchen, Sie gründlich zu informieren!

Ein sehr schönes Wort ist übrigens „Echtzeit“. Aber was heißt das? Hier erfahren Sie zunächst, was Sie denken. Dann werden Sie darüber informiert, was eventuell stimmt. Und schließlich wird sich alles im Unklaren verlieren.

Was Sie denken, wenn Sie nicht professionell programmieren, ist schon mal klar: „Echtzeit“, denken Sie, bedeute so etwas wie „live“. Kaum ist etwas passiert (Deutschland schießt ein Tor, Kollege macht Bäuerchen bei der Videokonferenz, Scholz geht bei Rot über die Ampel), schon haben Sie es „auf dem Schirm“, und das ist hier ausnahmsweise wörtlich gemeint. Mit den philosophisch anspruchsvollen Worten der Duden-Redaktion: „simultan zur Realität ablaufende Zeit“.

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass es neben der mit der Realität simultanen Zeit noch eine andere gibt. Und tatsächlich: Sollten Sie sowohl ein Digital- als auch ein UKW-Radio besitzen, schalten Sie mal beide gleichzeitig an, dann werden Sie Ihr blaues Echtzeit-Wunder erleben: Nach UKW können Sie die Uhr sekundengenau stellen, digital plappert die Nachrichten Sekunden später hinterher. Sie kennen das vom Fußball im Sommer: In der Nachbarschaft jubeln die Leute schon über das Tor, während sich bei Ihnen noch jemand den Ball zum Elfmeter zurechtlegt.

Die Agentur, die uns dieser Tage freundlicherweise irgendeine neue App empfahl, hat diese philosophische Herausforderung elegant in die nahezu dialektische Formulierung „minutengenau in Echtzeit“ gekleidet. Übrigens sollen in dieser seltsam unechten Echtzeit Geschäfte bei Passantinnen und Passanten „Bedarfsimpulse“ wecken, eine Formulierung, die man den Werbeleuten in Echtzeit um die Ohren hauen sollte, aber das nur nebenbei.

In der Wirklichkeit, falls so etwas existiert, bedeutet „Echtzeit“ allerdings etwas ganz anderes, nämlich eine Spanne, in der Computerprogramme gefälligst bestimmte Aufgaben erfüllen müssen, und zwar wirklich, also echt, und wie lange diese „Echtzeit“ sein darf, ist für die Definition vollkommen wurscht. Bei der Motorsteuerung im Auto, ist zu lesen, sollte es eher schnell gehen, bei der Videokonferenz darf es auch mal ein paar Sekündchen dauern. Und, auch wenn Ihnen das schon klar war: „Ein Beispiel einer Hardwareumsetzung ist eine Digitalisierung mit einem ADC als Funktionseinheit und einem Taktquarz.“

Die anfangs verwendete Formulierung, es werde sich schließlich alles im Unklaren verlieren, dürfte damit nun endgültig gedeckt sein. Für den persönlichen Gebrauch lösen Sie das Problem am besten dadurch, dass Sie das ganze Zeug, das Sie auf dem Schirm haben, nicht mit der Wirklichkeit verwechseln.

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