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Echt?

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Von: Sandra Danicke

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Mensch oder  Roboter?
Mensch oder Roboter? © GERARD JULIEN/afp

Wenn 1000 Zeichnungen gleich aussehen, wie kann dann eine mehr wert sein als die anderen?

Vielleicht hätte man zuschlagen sollen. Das New Yorker Künstlerkollektiv MSCHF bot gerade eine Zeichnung von Andy Warhol für 250 Dollar zum Verkauf an. Die ist doch sicher binnen Millisekunden verkauft worden, denken Sie jetzt, aber so war es gar nicht. Es gibt sie nämlich 1000 Mal. Natürlich hat die Sache einen Haken, denn nur eines der Blätter, auf denen eine Fee mit ein paar Strichen skizziert ist, ist echt. Aber was heißt schon echt?

Die Künstler kauften einen Warhol für 20 000 Dollar, dann ließen sie 999 Kopien von einem Roboterarm zeichnen, das Papier unterzogen sie einer speziellen Alterungsbehandlung. Kein Mensch kann nun die Kopien vom Original unterscheiden, heißt es jedenfalls. Angeblich wussten die Künstler selbst nicht mehr, welches Werk zuerst da war. Käufer und Käuferinnen hatten also nicht nur eine kleine Chance auf ein Schnäppchen. Für sie bleibt jedes der Werke ein potenzieller Warhol - solange sie keine Fachleute zurate ziehen. Außerdem ist ja jedes einzelne Blatt auch ein echter MSCHF. Der Name leitet sich übrigens von dem Begriff mischief ab, englisch für Unfug. Der Gewinn für das Kollektiv ist enorm. Zugleich ist es natürlich eine clevere Kritik an den Mechanismen des Kunstmarktes. Darüber hinaus wird hier der Begriff von Authentizität hinterfragt, und irgendwie wirkt es auch sozial gerecht, wenn sich fast jeder und jede einen Warhol leisten kann. Dem Pop-Art-König hätte das gefallen.

MSCHF machen das ständig. Anfang des Jahres hatten sie zum Beispiel vier Exemplare der legendären „Birkin Bag“ von Hermès für über 100 000 Dollar gekauft und daraus Birkenstock-Sandalen mit dem Namen „Birkinstock“ schneidern lassen. Handtaschen-Fetischistinnen und -Fetischisten blutet dabei vermutlich das Herz. Man fragt sich, was mehr wert ist: ein Haufen Schuhe oder vier Handtaschen. Ein Original oder tausend Vielleicht-Originale? Und ist das Original, das zugleich ein Vielleicht-Original ist, womöglich sogar noch wertvoller, als es je war? Damit sind wir bei Fragen von philosophischer Dimension gelandet.

Vielleicht ist eine Zeichnung, die gleichzeitig ein Original und kein Original ist, das Gleiche wie Schrödingers Katze, die bekanntermaßen zugleich tot und lebendig ist - so lange, bis man die Kiste öffnet, in der sie mit einer radioaktiven Apparatur, Geigerzähler, Hammer und einer Flasche mit Blausäure sitzt. Andererseits ist die Katze auch tot, wenn man längere Zeit nicht hineinschaut, weil man ihr kein Fressen eingepackt hat.

Was uns das über die Zeichnung verrät? Keine Ahnung.

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