In Frankfurt unterhält man ein angespanntes Verhältnis zu seinem Zentrum.
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In Frankfurt unterhält man ein angespanntes Verhältnis zu seinem Zentrum.

Times mager

B-Ebene Ffm

  • Christian Thomas
    vonChristian Thomas
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Zur in der Tat unterirdischen Situation an der Frankfurter Hauptwache.

Wer B-Ebene in Frankfurt sagt, sagt nicht unbedingt auch, Momentemal: A-Ebene! Weil der Spruch einfach zu dumm wäre? Weil man ein Wortspiel nicht auf den Kopf stellen möchte - zu billig? Erst recht nicht kalauern möchte? Noch billiger? Oder liegt es an mangelnder urbaner Phantasie? Weil man sie sich nicht leisten kann?

Könnte man, geht es doch um 375 Millionen Euro, die jetzt für den Umbau des Untergeschosses des Frankfurter Hauptbahnhofs veranschlagt werden. Die Summe soll in die Sanierung der B-Ebene investiert werden, die in den 1970er Jahren eröffnet wurde, nachdem unterhalb des Hauptbahnhofs die S-Bahn-Station entstanden war. Zu der Zeit war die Hauptwache in Frankfurt bereits zu einem Hotspot der Stadt aufgestiegen, nicht wegen der historischen Hauptwache, sondern wegen der B-Ebene, nicht wegen der barocken aus rötlichem Mainsandstein und mit geliftetem Walmdach, sondern wegen der durch Beton gedeckelten U- und S-Bahnstation. Was da als unterirdischer Verkehrsknotenpunkt zustande gekommen war, hinterließ auch oberirdisch seine Wirkung. Ein bodenlos hässlicher Stadtraum.

Es wurden deshalb im Laufe der letzten Jahrzehnte immer wieder Vorschläge zur Reparatur gemacht - und es gab nicht nur vages Engagement, das sich der drastischen Lage erbarmte. Die Stadt Frankfurt allerdings ließ solche Anläufe stets ins Leere laufen. Die niederschmetternde Stadtgestalt in Frankfurts Zentrum blieb von den Planern in den Ämtern der Stadt unangetastet. Gestaltungsanstrengungen erschöpften sich in einer veränderten Verkehrsführung. Frankfurts Zentrum, ein Titel, den der Hauptbahnhof nicht beanspruchen kann, weil er 1888 vor den Toren der Stadt in Betrieb ging, liegt seit Jahrzehnten planerisch brach.

Das hat auch mit dem angespannten Verhältnis zu tun, das man in Frankfurt überhaupt zu seinem Zentrum unterhält. Man denke nur daran, dass das Baudezernat den - so beschlossenen - Neubau einer Theateranlage im Zentrum der Stadt für symbolisch abwegig hält - nicht dagegen (in der Tat für abwegig) die Auslagerung an die Peripherie.

Sanierung im Hauptbahnhof, Neubau des Theaters - um den kleinen Stadtrundgang zu beenden: Schändlich der Zustand der Frankfurter Hauptwache, ihrer B-Ebene. Wenn es zudem über die oberirdische Situation der Hauptwache heißt, sie sei unterirdisch, ist das kein Kalauer. Es ist eine Metapher. Wie so oft bei ihr ist auch diese ein Erklärungsversuch, so hilflos wie bitter ernst.

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