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Eau Odel

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Von: Sylvia Staude

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Ein Odel- oder Güllewagen.
Ein Odel- oder Güllewagen. © Manuel Geisser/Imago

Auf dem Land, da wird geodelt, wohl nicht nur auf dem bayerischen. Aber ist es darum gleich ein „Sinnes-Erbe“?

Ah, sagte der Vater, wenn es wieder einmal so weit war, aaahh – und hielt gespielt genießerisch die Nase in den Wind –, der Duft nach Sauberkeit und Frische! Das Kind, das genau wusste, dass weder Omi zu Besuch gekommen war, die so gern Uralt-Lavendel benutzte (Werbe-Jingle: „Der Duft nach Sauberkeit und Frische“), noch jemand im Haushalt gerade ein Bad genommen hatte, grinste und wartete auf weitere Ansage: Wenn ein bestimmter Geruch aus Richtung Osten in den Garten wehte, war der Verursacher wahrscheinlich Bauer Huber. Bei unüberriechbaren Schwaden aus Südsüdost war es dagegen eher Bauer Hinterhofer, der, weil Regen angesagt war, schnell noch geodelt hatte. (Wikipedia erklärt „Odel“ so: „regionaler Ausdruck für Wirtschaftsdünger aus Urin und Kot“. „Wirtschaftsdünger“, so ... geruchsneutral hat es der Vater nie genannt. Die Verursachenden auch nicht. Und die Rechtschreibprüfung schlägt „Wirtschaftsdenker“ vor.)

Seit Uralt-Lavendel im Fernsehen beworben wurde, ist eine Menge Zeit vergangen. Zeit, in der Städter und Städterinnen in größerer Zahl aufs Land zogen, weil, wie man weiß, es dort still ist und die Luft so gut. Als Nächstes kam die Zeit, in der Städter und Städterinnen feststellten, dass es auf dem Land nicht immer still ist und die Luft nicht immer rein. Einige gingen also vor Gericht, denn zu was pendelte man nun anderthalb Stunden (einfacher Weg) zum Arbeiten in die laute, stinkende Stadt, wenn man es auf dem Land ebenfalls laut und stinkend hat, nur etwas anders?

Von einer „Klageflut“ sprechen die bayerischen Freien Wähler und wollen, um diese einzudämmen, ein Gesetz auf den Weg bringen, das das „Sinnes-Erbe“ schützt. Und wenn Sie nun denken, das gehe doch nur gegen preußische Weicheier und Franzosen, die sich Parfum statt dampfende Gülle hinter die Ohren tupfen: Die Freien Wähler verweisen darauf, dass es ein solches Gesetz in Frankreich bereits gebe, eines, das das „sensorische Kulturerbe“ schützt, das auf dem Land „identitätsstiftend“ sei.

Geändert werden müsste ein Bundesgesetz namens „Gesetz zum Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen durch Luftverunreinigungen, Geräusche, Erschütterungen und ähnliche Vorgänge (BlmSchG)“, um auszunehmen: Kuh- und Kirchenglocken, Hähne, Frösche, Wirtschaftsdünger, auch Ziegenbock, der eine, nun ja, sehr durchsetzungsfähige Basisnote hat. Man spricht bei Gerüchen von einer „Flucht-Schwelle“. Diese kann freilich auch von Vanilleparfum überschritten werden, glauben Sie mir.

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