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„Gieß de Kaktus, sonst vädädädä.“
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„Gieß de Kaktus, sonst vädädädä.“

Times mager

Dürre

  • Stephan Hebel
    vonStephan Hebel
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Goldene Pflanztöpfe, unbearbeitete Papierstapel, Dörrautomaten - sagen Sie jetzt nicht, das habe nichts miteinander zu tun.

Für Menschen, die keine Kinder haben, geht es im Homeoffice vergleichsweise ruhig zu. All diese Büromomente, in denen jemand „Oh mein Gott!“ durch den Großraum brüllt, weil ein Gummibärchen auf den Boden gestürzt ist, fallen bekanntlich weg, und das ist auch gut so. Auch wenn es zu Hause, ehrlich gesagt, aus Gründen einer übertriebenen Vernunft an Gummibärchen mangelt.

Aber glaube bitte niemand, es gebe im Homeoffice keinen Grund zum Erschrecken. Es scheint sogar der Fall zu sein, dass die Stille rundum und die Verzögerung gewisser Abläufe (Duschen, Sprechen etc.) die noch vorhandenen Einflüsse umso stärker wirken lässt. Es fühlt sich ein bisschen so an, als würden die eigenen Reflexe und Gedanken lauter. Es lärmt im Gehirn.

Nur mal ein Beispiel: Da schaut man (das nicht gendergerechte Wort trifft in diesem Falle zu) aus nicht nachvollziehbaren Gründen plötzlich nach, was so alles im Spam gelandet ist, und sofort springt Folgendes ins Auge: „Betreff: Hast du auch tote Ecken? Erwecke sie zum Leben.“ Einerseits: Voll der Schock! Tote Ecken! Könnte da etwas dran sein? Sind die Gummibärchen-Reflektoren bereits abgestorben?

Andererseits: „Erwecke sie zum Leben“! Wer da nicht scrollt, hat schon verloren. Stößt allerdings unverzüglich auf den „Pflanztopf BIG NUGGET von dem Label CASABLANCA“ (goldfarben), dessen Grottenhässlichkeit nur von seinem Preis (299 Euro) übertroffen wird. Aber es hilft nichts: Pflanztopf BIG NUGGET hat sich unverzüglich in einer toten Ecke des Gehirns festgesetzt und löst körperliche Reaktionen aus wie nach dem Genuss einer Maxi-Tüte Gummibärchen. Das Foto, auf dem der Pflanztopf aufs Übelste mit einem Tischchen aus goldfarbenem Flamingo ohne Kopf (Fuß) und Glas (Platte) harmoniert, tut ein Übriges.

Nun schweift der Erholung suchende Blick über den Tisch und bleibt an einem Papierstapel haften, der ganz ruhig daliegt und doch im Gehirn einen furchtbaren Radau veranstaltet, weil das Gehirn in etwa ahnt, wie viele unbearbeitete Projekte der Stapel enthält.

Neben dem Stapel: ein bunter Prospekt, der zur willkommenen Abwechslung ein Gerät namens „Dörrautomat“ enthält, und jetzt kommt’s: mit „Temperaturkontrollsystem für ein gleichmäßiges Dörrergebnis“.

Das passt nicht schlecht zum Zustand des Gehirns, dessen Dürre nur von einer Assoziationskette durchzogen wird, an der die hessische Weisheit „Gieß de Kaktus, sonst vädädädä“ hängt. „Vädädädä“ heißt „verdorrt er dir“, aber der Hesse und die Hessin sagen nicht „vädodädä“, weil sie meinen, es hieße „verdörrt“, obwohl im Duden steht: „Er/sie/es verdorrt.“ Ja, bald ist es so weit.

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