Der US-Schriftsteller Paul Auster feiert seinen 70. Geburtstag.
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Der US-Schriftsteller Paul Auster feiert seinen 70. Geburtstag.

Times mager

Drüber reden

  • Judith v. Sternburg
    vonJudith v. Sternburg
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Er möchte nicht über seine Werke sprechen. Oder höchsten über das Was, Wann, Wo, nicht das Wie und Warum.

Die Schwierigkeit, über das eigene Werk zu sprechen, gehört zu den glaubhaftesten Problemen, die viele, die die meisten Schriftstellerinnen und Schriftsteller beklagen. Es wird nicht dadurch lächerlich, dass viele, die meisten von ihnen das dann doch munter tun, wenn das Thema nun einmal darauf gekommen ist.

Paul Auster, der heute 70 Jahre alt wird, jetzt zum Beispiel auf 413 Seiten (zum Geburtstag erschienen: „Ein Leben in Worten. Ein Gespräch mit Inge Birgitte Siegumfeldt“, Rowohlt, 12,99 Euro). Siegumfeldt, Literaturwissenschaftlerin in Kopenhagen, und Auster sprechen geruhsam über ein Auster-Buch nach dem anderen. Vorher wird aber die Luft gereinigt. Die Luft gereinigt? Zwei Dinge will Auster „ein für alle Mal“ klarstellen: „Meine Romane sind fiktiv, meine autobiographischen Texte sind nicht fiktiv.“ Zweitens: Er nehme keinerlei Einfluss auf die Bücher seiner Frau (Siri Hustvedt). Ersteres klingt eindeutiger, als es einem bisher vielleicht vorkam. Man muss es sich hinter die Ohren schreiben. Zweiteres versteht sich von selbst beim Hustvedt-Lesen. Bitter, dass Auster das sagen muss.

Dann sprechen Siegumfeldt und Auster also wirklich geruhsam über ein Auster-Buch nach dem anderen – allerdings noch nicht über den Großroman „4 3 2 1“ (FR v. 31.1.), was der Sache wie jedem Gespräch sofort auch etwas eine Spur Überholtes gibt. Dafür blenden wir kurz einmal rein, als es um das Ende des Romans „Die Musik des Zufalls“ geht. „Ich bin mir nicht sicher, ob er stirbt“, sagt Auster über Jim Nashe. „Das ist nicht klar. Natürlich wird es einen Zusammenstoß geben, aber der muss ja nicht tödlich sein. Wir wissen es nicht. Das Fahrzeug, das ihm entgegenkommt, hat nur einen Scheinwerfer, es könnte also ein Motorrad sein. Oder ein Auto mit einem defekten Scheinwerfer.“

Wenn Auster jetzt nicht doch noch erwähnen würde, er habe den Roman hier mit Bedacht abgebrochen, dann könnte man gar nicht mehr glauben, dass er selbst mit der ganzen Angelegenheit überhaupt etwas zu tun hatte. Das ist die Art, wie er über seine Werke sprechen möchte. Mit Siegumfeldt, so Auster, rede er nur, „weil Sie sich einverstanden erklärt haben, das Gespräch auf die Fragen Was, Wann und Wo zu beschränken“. Denn: „Die Leute fragen Warum, und ich habe keine Antwort. Sogar die Frage nach dem Wie kann sehr problematisch sein.“ Dann sagt er noch, denn Interviews kann er gar nicht leiden: „Sie sind zum Glück keine Journalistin.“

Aber wenigstens sind Schriftstellerinnen und Schriftsteller die klügsten unter den Pimpernellen. Ihre Geburtstage sollen Jubeltage sein.

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