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Farnlaubige Gewächse, hier im Regenwald Neuseelands.

Times mager

Druckerei

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Im Ruhr Museum kann man auch sehen, wie die Erde Druck auf ihre Pflanzenwelt ausgeübt hat.

Ist es nicht, als befände man sich in einer Druckerei? Und was für einer, offenbar einer Riesendruckerei. Ja, aber einer stillgelegten. Produktion eingestellt, wenn man so wolle. Allerdings sei sie auch lange genug in Betrieb gewesen. Keine zwei Meinungen, 360 bis 300 Millionen Jahre seien so etwas wie eine Ewigkeit für jede Produktionsstätte.

Wir verharren, wir staunen. Im Ruhr Museum, das eine längere Geschichte hat, angefangen 1904 als eine Einrichtung der Stadt Essen, im Laufe der letzten Jahrzehnte an unterschiedlichen Standorten einquartiert war und seit 2010 in der ehemaligen Kohlenwäsche der vormaligen Zeche Zollverein untergebracht ist, ja, der heutigen Weltkulturerbestätte: Hier eben kann man auch zusehen, wie die Erde Druck auf ihre Pflanzenwelt ausgeübt hat. Den fossilen Funden haben sie deswegen ein Kabinett eingerichtet, einen Schauraum. Der Weg dorthin führt durch einen Prolog der Bergbaugeschichte, den die Karbonzeit bildet. Vom Standpunkt des Prologs aus war das erdgeschichtliche Zeitalter des Bergbaus nicht absehbar. Vom Standort des Bergbaus aus lässt sich das unfassbar weit zurückliegende Karbon allerdings datieren. Die 360 Millionen Erdenjahre wurden bereits erwähnt. 

Das Karbon war eine Epoche der Superkontinente und enormen Klimagegensätze. Die Namen der Kontinente Gondwana und Pangaea sind ausgestorben. Die Klimagegensätze über Tage waren krass, und nichts unter Tage ereignete sich ohne einen gewaltigen, einen im Prinzip unvorstellbaren Druck. Dieser so unfassbare wie vollkommen natürliche Druck hinterließ Versteinerungen, Ablagerungen, Fossile mit unglaublich klaren Konturen. 

Auf ein besonders schönes Blatt Papier übertragen, könnte man vielleicht von vorsintflutlichen Wasserzeichen der Natur sprechen. Was zuvor mal ein Sumpf oder Torfgebiet war, wurde eine Riesendruckerei. Bester Beweis? Jeder Stein in den Vitrinen. Und jeder Stein unter Glas zeigt einen anderen Abdruck, ein Schachtelhalm ist kein Schuppenbaum. Farnlaubige Gewächse waren schon vor Jahrmillionen nicht gleich farnlaubige Gewächse. Aber schau, die Blätter eines Keilblattgewächses haben etwas von dem uns so bekannten vierblättrigen Kleeblatt. Vergleiche sind immer eine Hilfe. Und der Farnwedel hier? Der Abdruck steckt in einem pechschwarzen Kohlebrocken – seit Karbonzeiten in einem druckerschwärzeschwarzen. 

Natürlich hat die Druckerei ihren Betrieb nicht eingestellt. Sie produziert wohl weiter, etwa in solchen Sümpfen, die vom Absterben bedroht sind. Nur der Bergbau ist es nicht mehr, der diese Schönheiten zu Tage fördert.

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