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Herr Dr. G., der Ex-West-CDUler, gehört zum Kreise jener Männer, die mit ihren schillernden Wendeversprechen die neuen Bundesländer umgepflügt haben und ein Loch hinterließen.

Times mager

Ein Drittel AfD

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Ein Drittel heißt dass zwei Drittel der Menschen am östlichen Rand unseres Landes nichts von den Heilsversprechen des Herrn Dr. Gauland halten.

Was seine Partei den Menschen im Osten bietet? Da muss Herr Dr. G. schmunzeln. Nun, sagt er der Dame von der ARD, seine Partei wisse eben, dass es die Menschen im Osten nicht so mit dem „betreuten Denken“ haben und nicht gerne gesagt bekommen, was richtig und was falsch ist. Sie hätten einen anderen Begriff von Freiheit verinnerlicht als die Westdeutschen.

Grünen die Hauptfeinde der Abgehängten

Herr Dr. G. weiß, dass das Quatsch ist. Aber er sagt das, um seinen Wählern, die nichts zu verlieren haben, weil sie seit 30 Jahren die Verlierer sind, ein bisschen Größe zu verleihen. In all der Euphorie ob der rosig-braunen Zukunft des Ostens geht dabei ein wenig unter, dass Herr Dr. G. als Ex-West-CDUler auch zum Kreise jener Männer gehört, die mit ihren schillernden Wendeversprechen die neuen Bundesländer umgepflügt haben und – nachdem die Ernte eingefahren war – statt blühender Landschaften ein großes Loch zurückließen, in dem seither der Karren des Aufbruchs vor sich hin rostet.

Und nun sind also nicht die Wendepfuscher, sondern die Grünen die Hauptfeinde der Abgehängten. Weil sie unsere stolze Industrienation abwracken, die Kohle und den Diesel verbieten wollen. Und Verbote, sagt Herr Dr. G., passen nicht zum Freiheitsdrang des Ostdeutschen, der doch so viel ursprünglicher ist als der des Wessis, der auf dem E-Scooter durch seine Metropolregionen gleitet, bewehrt mit Kopfhörer und Laptoptasche. Und die Grünen, diese Klimaversteher, haben keine Ahnung, woher der Wind im Osten weht. Und warum manche wütend sind, weil die Luft nicht mehr nach Briketts, sondern nach der kalten Asche leerer Versprechungen riecht.

AfD - Volkspartei von Gauland

Herr Dr. G., von seiner Ex-Volkspartei einfach abserviert, hat sich also seine eigene Volkspartei aufgebaut. Mit einem Volk, das einst skandierte, ein solches zu sein und damit die Mauer zu Fall brachte. Mit diesem Volk baut er nun wieder Mauern. In den Köpfen. Und Herr Dr. G. macht darum so ein Getöse, dass der Wessi sich ein wenig unbehaglich fühlt, wenn er die Wahlanalyse des Vortags von seinem Sofa aus verfolgt. Gut ein Drittel der Menschen im Osten steht erklärtermaßen hinter Herrn Dr. G. und seinen Adjutanten, die nach diesem „sehr deutlichen Wahlergebnis“ von der CDU verlangen, dass sie sich „unterordnet“. Der Adjutant sagt das in einem Ton, so schneidend, dass es den Wessi kurz fröstelt und er sich seine Wohlstandsschmusedecke über den Kopf ziehen möchte.

Aber: Ein Drittel heißt ja auch, dass immer noch zwei Drittel der Menschen am östlichen Rand unseres Landes nichts von den Heilsversprechen des Herrn Dr. G. halten. Und immerhin, zwei Drittel sind mehr als ein Drittel. Das wird man ja noch sagen dürfen.

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