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Literatur las sich als eine desillusionierende Darstellung der Tatsache, dass Objektivität eine Illusion ist.
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Literatur las sich als eine desillusionierende Darstellung der Tatsache, dass Objektivität eine Illusion ist.

Times mager

Drei Federn

  • Christian Thomas
    vonChristian Thomas
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Objektivität ist eine Illusion. Wer es einmal aus dem Blick verliert, kann es bei Wilhelm Raabe nachlesen.

Mit der Wirklichkeit ist es eine heikle Sache. Stellt sie sich doch nicht so ohne weiteres genau so dar, wie man oft meint. Meint? Die Wirklichkeit für eine Ansichtssache, eine subjektive Ansicht zu halten, ist kaum falsch, auch wenn sich die Frage stellt, was ist falsch und was richtig? Gelegentlich ist die Antwort auf die Frage nicht einfach, zumal dann, wenn man es sich bereits mit der Frage nicht nur einfach macht. Dann ist auch die Antwort aufwendiger. Wohl wahr.

Reden wir von Relativismus? Reden wir erneut von Wilhelm Raabe, nämlich der Anschauung, wie sehr Erkenntnis auch relativ ist, und der Standpunkt des Erkennenden Auswirkung auf die Erkenntnis hat, auf die Gültigkeit von Aussagen. Daran könnte man die Frage anschließen, ob das eine richtige Erkenntnis ist oder eine falsche, oder ob eine Aussage, die sich der Bedingungen ihrer Aussage bewusst ist, wahrer ist oder richtiger als andere.

Ohne dass Wilhelm Raabe die Frage so gestellt hätte, ist doch sein Roman „Drei Federn“ von diesem Problem durchdrungen. Ausdruck war nicht nur die Absage an eine objektive Erzählerinstanz - den Abschied gab es schon längst, vor Raabe. Auch hatte der Debütant Raabe, 1856, bei Erscheinen seiner „Chronik der Sperlingsgasse“, bereits eine perspektivische Erzählweise gewählt. Kein übergeordneter Erzähler mehr. Leserinnen und Leser müssen mit dem, was ihnen da ein 25-jähriger Autor vorsetzte, etwas anzufangen gewusst haben, denn der ungewöhnliche Roman, eine Großstadtgeschichte gespiegelt in vielen privaten Geschichten, war nicht ungewöhnlich genug, um nicht doch erfolgreich zu sein. Der junge Autor war wer mit einem Schlag. Leider wahr ist aber auch, dass Raabe diesen Erfolg beim Publikum nicht behielt. Die Realität eines freien Schriftstellers, und Raabe war einer der ersten auf dem freien Markt, war von bitteren Rückschlägen geprägt.

Auch 1865 war kein gutes Jahr, als Raabe eine Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven erzählte, seinen Leserinnen und Lesern eine Geschichte vorlegte, die ursprünglich „Drei Romane“ heißen sollte, einen schließlich kleinen Roman, der von drei Federn bestritten wurde. Drei Sichtweisen, sich widersprechend, kühn komponiert. Furios gestaltete Multiperspektive.

Literatur las sich als eine desillusionierende Darstellung der Tatsache, dass Objektivität eine Illusion ist. Wahr ist aber auch, dass Raabe seinen kleinen Roman schweren psychosomatischen Krisen abringen musste, mit lästigen Korrekturen an Vorgängerarbeiten beschäftigt und abgelenkt war von Auftraggebern, die unzumutbare Forderungen stellten. Multitasking, ganz objektiv. Eminent modern, so ließe sich sagen. Natürlich könnte man noch mehr sagen.

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