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Filmemachen soll künftig auch in Deutschland gefördert werden.

Times mager

Drehbuch

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Das deutsche Filmfördergesetz steht vor einer Novellierung. Mal wieder. Immerhin scheint es Kulturstaatsministerin Monika Grütters aber um Inhalte zu gehen.

Das deutsche Filmfördergesetz gleicht einem Drehbuch, an dem man seit fast 50 Jahren schreibt. Erlassen im Dezember 1967, wird es in regelmäßigen Abständen novelliert, um wechselnden Ansprüchen gerecht zu werden. Seit den 90er Jahren geriet die Kultur dabei erst allmählich, dann immer mehr ins Hintertreffen gegenüber Wirtschaftsinteressen. Wem in Deutschland die Filmkunst wichtig ist, der blickt neidvoll nach Österreich: Dort wird Film als Kunst gefördert.

Jetzt soll endlich ein neues Drehbuch geschrieben werden, im Januar 2017 soll ein neues Gesetz in Kraft treten. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) will damit, wie sie jetzt in einem dpa-Interview erklärt hat, „Kreativität und Mut“ im deutschen Film stärken. Von Mut zeugt schon die Absicht selbst: „Auch weniger bekannte Filmemacher und innovative Formen sollen einen angemessenen und vielleicht auch größeren Raum bekommen.“

Bei Produzenten beliebt

Das hat man lange nicht gehört. Grütters’ Vorgänger, Bernd Neumann, ging es in seiner Politik weniger darum, was produziert wird, sondern dass etwas produziert wird. Genau das machte ihn samt seiner Erfindung, dem automatischen Modell des Filmförderfonds (DFFF), bei Produzenten so beliebt. Auch während der Finanzkrise ging es der Film- und Fernsehwirtschaft prächtig. Das darf auch gerne weiterhin so bleiben – nur dass hoffentlich die Filme bedeutsamer werden.

Am gestrigen Montag wollten sich auch die Kulturpolitiker der Unionsfraktion in einem Fachgespräch mit dem Thema befassen. Mitte November werden Vertreter der Filmbranche bei einem runden Tisch in Potsdam über die Neuerungen beraten. Wie diese genau aussehen sollen, bleibt einstweilen vage, doch erste Ideen klingen gut. Die Expertenpools, aus denen die Förderkommissionen besetzt werden, sollen paritätisch mit Männern und Frauen besetzt werden. Das klingt nur vernünftig. Denn obwohl Frauen wie Margarethe von Trotta, Caroline Link oder Maren Ade zu den renommiertesten deutschen Filmemacherinnen gehören, ist die Branche weiterhin männlich dominiert.

Andererseits sollen geförderte Filmemacher nun von der Pflicht befreit werden, ihre Werke zwingend ins Kino zu bringen – so tritt Monika Grütters der wöchentlichen Filmschwemme entgegen. Und öffnet sich neuen Verwertungswegen für das Bewegtbild – ob online oder im Kunstmuseum. Da jedoch so gut wie kaum ein Drehbuch unverändert auf die Leinwand kommt, wird auch dieses Gesetz noch durch viele Hände gehen.

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