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Rembrandt-Radierung Selbstbildnis mit Mütze und Schal und Gesicht im Schatten (um 1633).

Times mager

Wie Dreck

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Rembrandt wird alt, sein Blick ändert sich, seine Malweise passt sich dem an. Das Wort Schmiererei kommt in Umlauf.

Kühn, hieß es, kühn sei ja wohl doch etwas anderes. Aber sei das denn wirklich von einer kühnen Künstlerhand, war sich der eine oder andere Schüler mit seiner Frage sicher, dermaßen sicher, dass er darauf die Antwort parat hatte. Gerade die rhetorischen Fragen hinter Rembrandts Rücken waren rigorose Urteile.

Gleichmäßig, war sich der eine oder andere Schüler sicher, den Rembrandt während seiner Spätzeit dann doch noch hatte, müsse der Pinselstrich sein. Sollte er diesen Schlaumeiern widersprechen? Auch Rembrandt hatte so seine rhetorischen Fragen. Die er dadurch beantwortete, dass er ignorierte. Dafür hatte er seinen alten Buckel.

Dagegen vor Augen hatte er den Alten mit dem Käppi. Leicht vornübergebeugt hält er sich auf dem Gemälde. Der eine Unterarm ist auf eine Tischplatte gestützt, der linke auf die Lehnstuhllehne. Vor dem Bauch faltet der Alte seine Hände, grobe Hände, mit dicken Fingern. Das Alter hat die Hände anschwellen lassen, dagegen ist das Gesicht ausgemergelt. Das Alter, so ist es für Rembrandt offensichtlich, spricht unterschiedliche Körpersprachen. Unter schweren Augenlidern starrt der Alte ins Leere.

Zunehmend isoliert

Im Alter änderte sich der Blick, auch der Rembrandts, und die Malweise passte sich dem an. Er bearbeitete die Farbflächen nicht nur mit dem Pinsel, sondern mit dem Spachtel. Seine Schüler sahen ihm zu, wie er die aufgetragene Farbe mit den Fingern bearbeitete. Mit solchen Techniken isolierte er sich zunehmend.

Entstand deswegen unter den vielen Porträts alter Männer das des Greises, der seine Hände in weiten Ärmeln verbirgt? Oder, um 1667, etwa zwei Jahre vor seinem Tod, das Selbstbildnis, das einen lachenden Rembrandt an einer Staffelei zeigt, beschäftigt mit dem Porträt eines grimmigen Menschen? So, als Zweiheit, bei der Lachen und Weinen Hand in Hand gehen, hat die Kunst der Zeit (der Rembrandtzeit!) die Gegensätze unbedingt betrachtet.

Zu den Widersprüchen gehört auch, dass der alte Rembrandt einem ungemein bösen Blick ausgesetzt war, an erster Stelle dem seiner Schüler. Nachweislich sagten sie ihm nach, dass bei ihm die flüssige Farbe wie Dreck die Leinwand herunterlaufe.

Auch war in Rembrandts unmittelbarer Umgebung das Wort dicke Schmiererei in Umlauf. Bleibt die Frage, welcher Einzigartige in diesem gehässigen Milieu (dem so berühmten Rembrandt-Umkreis!) das grandiose Porträt des Alten mit den klobigen Händen malte? Gar Rembrandts Hände? Das ist keine rhetorische Frage geblieben, vielmehr eine, die bis heute nicht beantwortet werden konnte.

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