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Es soll auch sehr lustige Szenen geben.

Times mager

Downton A.

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„Downton Abbey – der Film“ gehört eigentlich ins Wohnzimmer am späten Abend, aber wird man so lange warten können, bis man erfährt, ob Tom Branson doch noch einmal ein Glück findet?

Als die kleinen Kinder im 1-A-Film „Bernard und Bianca“ abgeliefert wurden, bekamen sie mit, wie der sich rasch abwendende Herrn Nachbar gerade in jenem Kinosaal verschwand, der nur für Erwachsene war. Er lag günstig zum Eingang des Kinocenters, was einerseits im Nachhinein seltsam ist – diese Übersichtlichkeit –, andererseits den Besuchern zumindest kurze Laufwege bescherte, zum Ausgang und auch zur Bar.

Viel wusste man nicht darüber, eine fremde Welt, die man – war man sehr alt und ein Mann – nach Belieben betreten und wieder verlassen konnte. Offenbar war der Film nicht so kompliziert und spannend. Das Interesse der Kinder hielt sich entsprechend in Grenzen. Sonderbar bloß, dass der Herr Nachbar nicht grüßte. Immerhin kannten sie sein Kind, nicht direkt eine Freundin, aber immerhin. Die Mutter konzentrierte sich auf den Kartenkauf. Was hier vorging, dass Herr B., Vater von M., soeben einen Saal betrat, in dem ein Pornofilm gezeigt wurde, dass es zudem noch weitere, verborgenere und, so die Mutter, regelrechtere Pornokinoangebote in der Stadt gab, verschwieg sie auf Nachfrage nicht. Sie machte es auch nicht durch Verlegenheiten größer, als es war. Eher zeigte ihre nüchterne Benennung des Vorgangs deutlich: Groß war das wirklich nicht.

Groß war bloß, zeigte sich Jahrzehnte später, der Saal, längst ein Vorführort wie jeder andere. Manche Alteingesessene legen hier immer noch so ein huschendes Verhalten an den Tag. Das ist aber ganz überflüssig.

Weil Kinder es gewöhnt sind, Dinge zu wollen, die sie nicht wollen sollten – dass der Klavierunterricht ausfällt, dass ein falscher Feueralarm die Bioarbeit unbenotbar macht, dass die Eltern nicht merken, wenn der eine Kinderfilm vorbei ist und der nächste angefangen hat –, bedrückt es sie umso mehr, dass es im Erwachsenenleben unter Umständen so weitergeht. In gewisser Hinsicht stimmt das auch. Jeder dezente Mensch stellt „Sturm der Liebe“ leise, bevor er ans Telefon geht, und bereitet sich beizeiten darauf vor, wo und mit wem er diskret „Downton Abbey“ ansehen kann. Wobei „Downton Abbey“ hundertmal niveauvoller ist als „Sturm der Liebe“. Am 19. September läuft „Downton Abbey – der Film“ in den deutschen Kinos an. Natürlich gehört er – wie die Serie – ins Wohnzimmer am späten Abend, aber wird man so lange warten können, bis man erfährt, wie sich das Hauspersonal gegen die Dienerschaft von George V. schlägt und ob Tom Branson doch noch einmal ein Glück findet? Na ja, jedenfalls soll es sehr melancholisch sein. Nur zu. Es soll auch sehr lustige Szenen geben. Wir haben nicht daran gezweifelt. Es soll völlig überzuckert sein. Ja, und? Genant hofft unsereiner auf ein nicht zu volles Kino, in dem man in Ruhe vor sich hin gickeln kann.

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