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Szene aus „Unheimliche Begegnung der dritten Art“. Viele Filme zeigen, dass es Ärger macht, wenn Außerirdische Wind vond er Existenz der Menschheit bekommen.

Times mager

Dort draußen

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Grüne Männchen, „E.T.“ - das kann keinen Irdischen gleichgültig lassen. Die Feuilleton-Kolumne.

Markant ist auch der Mitteilungsdrang der Menschheit. Seit sie die technischen Möglichkeiten dazu hat, schickt sie nicht nur Lebewesen und Dinge in den Weltraum, sondern stattet diese auch mit Datenträgern aus, die Geräusche, Musik, Wörter und Bilder von der Erde nach dort draußen transportieren sollen. Dies dürfte aus Sentimentalität, Eitelkeit, Melancholie und Neugier geschehen. Sind wir nicht liebenswert? Sind wir nicht enorm? Sind wir noch da, wenn das jemand (etwas) hört? Nämlich zum Beispiel die Mutter, die das schreiende Baby tröstet, oder den Morsecode für „per aspera ad astra“ (falls die Außerirdischen sowohl morsen können als auch Latein)? Denn ist da womöglich jemand (etwas) und meldet sich?

Das ist nun immer die Stelle, an der man selbst sich ausklinkt. Es ist offensichtlich, dass es Ärger macht, wenn Außerirdische Wind von der Existenz der Menschheit bekommen. Einschlägige Kinofilme führen das vor Augen, und „E. T.“ ist kein gutes Gegenargument, denn E. T. ist sehr klein und allein. Wagemutigere hingegen verwenden seit vielen Jahren den Bildschirmschoner „Seti@home“ und helfen Forschern der Universität Berkeley dabei, Radiosignale von Außerirdischen aufzufangen. Der Name ist die Abkürzung für „Search for Extra-Terrestrial Intelligence at home“ – Suche nach außerirdischer Intelligenz zu Hause, also „von zu Hause aus“. Keiner hebt ein grünes Männchen in der Kommode auf. Das wäre gewiss auch nicht legal.

Der Bildschirmschoner „Seti@home“ kann einem das Gefühl vermitteln, an einer spektakulären, aber diskreten, dabei in jeder Hinsicht grenzüberschreitenden Aktion teilzuhaben. Ohne etwas dafür unternehmen zu müssen. Zumal der Bildschirmschoner nach seiner Art gerade dann anspringt, wenn die Nutzer keinen Einfall haben und müßig in Illustrierten blättern. Nun können sie sich alternativ dazu regenbogenfarbene grafische Wabbelberge anschauen und wichtig fühlen. Wer sich nicht wichtig fühlen will, sondern im Gegenteil partout nicht auffallen, hält sich von „Seti@home“ fern.

Von morgen an aber will das federführende Team, längst in die Jahre gekommen, eine Pause einlegen. Es sei immer zu wenig Zeit gewesen, die Daten überhaupt zu analysieren, erklären sie. Für „Seti@home“-Fans – etwa 100 000 benutzten den Schoner laut „New York Times“ zuletzt – ist das sicher ein komischer Moment: sich selbst von fernen Galaxien sozial zu distanzieren, dabei schien gerade dies ein so gegenwärtiges Projekt zu sein. Man muss nicht in den Park, man muss nicht ins Kino und hält trotzdem eine Kontaktmöglichkeit offen.

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