ein gelber Hai
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Singen kann beim überwinden von Problemen helfen.

Times mager

Doo doo

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Wahlen und manch andere Dinge auf Erden machen Ihnen derzeit zu schaffen: Singen Sie einfach „doo doo doo doo doo doo“ usw..

Kanada, so lautet das Gerücht (und ist nicht weniger glaubhaft als sämtliche von Donald Trump getwitterte Gerüchte), Kanada habe seine Grenze zu den USA, habe alle 8891 Kilometer sicherheitshalber mit Sandsäcken verstärkt, zwischen die es als Kitt und Klebefalle Ahornsirup schüttete. Mounties patrouillieren auf Pferden, die zur zusätzlichen Abschreckung Elchgeweihe tragen. Sonst zuvorkommende Kanadierinnen und Kanadier tun ihr Bestes, grimmig zu gucken; und verbreiten diesen – einem Gerücht nach von einem US-Bürger in die Welt gesetzten – Witz: Was haben Mexiko und Kanada gemeinsam? Beide grenzen an Blödsinn.

Im Norden des Kontinents werden nun Ströme von Menschen erwartet, die im Nachbarstaat Asyl beantragen wollen. Und wenn sogar eine New Yorker Professorin oder ein kalifornischer Surfer bereit sind, in ein Land zu ziehen, in dem es entweder minus 40 Grad hat, Biber den Bungalow unter Wasser setzen oder Stechmücken einen in den Wahnsinn treiben – dann weiß Kanada, dass es angesichts von geschätzten 174,4 Millionen Asylsuchenden handeln muss. Okay, vielleicht sind es nur 159,3 Millionen, die anderen haben sowieso immer kalte Füße und beantragen lieber die mexikanische Staatsbürgerschaft.

Keineswegs wollen wir uns hier über Menschen lustig machen, die einfach nur irgendwo leben wollen, wo Schnee die Straßen blockiert und Biber die Strommasten fällen, so dass sie, sobald der Handyakku leer ist, ihre Ruhe haben.

Wir selbst haben bis vor kurzem an eine noch größere Entfernung und ein spezielles Eremitendasein gedacht. Kein Roter Riese, Weißer Zwerg, kein schwarzes Loch schreckten uns ab, eine Reise ins All in Erwägung zu ziehen. Jetzt, wo es sogar auf dem Mond genug Wasser zu geben scheint für eine Dusche, unter der man den Erdenstaub abwaschen kann.

Aber da werden uns schon wieder alle Illusionen genommen: In einer Weltraumstation, so war kürzlich zu lesen, ist es a) unablässig sehr laut, b) müffelt es und schweben, c), beträchtliche Mengen von Essensbröseln und Hautschuppen durch die Luft. Selbst in einer besonders chaotischen WG, in der a und b zutreffen, kann man c dank der Schwerkraft immerhin einfach vom Boden aufsaugen. Und in Sachen a und b die Mitbewohner oder -innen anschreien.

Was bleibt? Für Millionen von Erdenbürgern das Video „Baby Shark“, das eben zum meistgesehenen Youtube-Video wurde: niedliche Kinder, niedliche Zeichentrick-Haie und der in wirklich jeder Lebenslage passende Refrain „doo doo doo doo doo doo“.

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