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Gespenstisch starrer Auftritt: Donald Trump liest vom Teleprompter ab, dass „Hass keinen Platz in Amerika“ habe.

Times mager

Donald Trump und die Angst der weißen Amerikaner

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Donald Trumps Ansprache zu den Morden von El Paso und Dayton: Ein gespenstisches Foto, ein gespenstischer Auftritt. Die Feuilleton-Kolumne.

Eine Fotografie, in deren Zentrum ein sogenannter Teleprompter steht, die Schrift weiß auf dunkelblau und scharf leuchtend. „Hass hat keinen Platz in Amerika“, kann man lesen, auf Englisch natürlich, dann kommt ein langer Gedankenstrich, damit der Sprecher auch bestimmt eine Pause lässt. Darunter: „Hass verzerrt das Denken, verwüstet das Herz.“ Links steht, im Profil, hinter einem Pult, der amerikanische Präsident Donald Trump, schräg hinter ihm sein Vize Mike Pence, man kann annehmen, wie immer maskenhaft unbewegt. Rechts und links vom Teleprompter Journalisten, Kameras.

Man kann sich die kurze Ansprache des Präsidenten, bei der die Fotografie entstand, auch aus anderem Blickwinkel und im Bewegtbild ansehen. Sie ist im Netz mühelos zu finden. 

Auch ohne Kenntnis des Fotos mit Teleprompter errät man sofort, dass er etwas abliest, was andere für ihn geschrieben haben, Berater, die der Meinung waren, dass er nach El Paso, nach Dayton etwas sagen müsse, die womöglich auch Angst hatten, Trump werde wieder von „Toledo“ sprechen

Donald Trump wirkt wie erstarrt

In der frontalen Videoaufnahme ist Donald Trump ein Kind, von dem erwartet wird, dass es einen Text liest, der über seinen Horizont geht. Dieses Kind ist so angestrengt, dass es nicht auch noch so tun kann, als sei es innerlich beteiligt an, bewegt von den Worten, die es vortragen soll. Trump wirkt wie erstarrt.

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Der „New Yorker“ zeigt aktuell die Fotografie. Ein paar Klicks weiter stößt man, aus Anlass ihres Todes, auf einen Text Toni Morrisons, sie schrieb ihn im November 2016 für das Magazin, als Trump gerade gewählt worden war. Darin beschreibt Toni Morrison die Angst weißer Amerikaner vor dem wachsenden Einfluss von „people of colour“ in einem Staat, der einst von Weißen für Weiße gegründet worden war. Eine Angst, ja geradezu Panik, die weiße Amerikaner dazu bringt, sich als Attentäter, als feige Mörder zu „opfern“: „Diese Opfer, erbracht von angeblich harten weißen Männern, die bereit sind, ihre Menschlichkeit aufzugeben aus Angst vor schwarzen Männern und Frauen, zeigen den wahren Horror eines verlorenen Status an.“ 

Donald Trump mit gespenstischem Auftritt

Die scharfsinnige Toni Morrison nennt es auch den „Trost, selbstverständlich besser zu sein“, sich nicht abmühen zu müssen, um höflich behandelt zu werden, einen Trost, auf den schwer zu verzichten sei. Zu verzichten auch auf „das Vertrauen darauf, dass du im Kaufhaus nicht beobachtet wirst, dass du der bevorzugte Gast in Luxusrestaurants bist“.

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Man sieht sich Trumps gespenstisch starren Auftritt an. Und sieht einen weißen Mann, der versucht, den kleinen Finger zu opfern, damit die anderen nicht bald die ganze Hand nehmen können.

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