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Arno Widmann leitet die Feuilletonredaktion der Frankfurter Rundschau.
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Arno Widmann leitet die Feuilletonredaktion der Frankfurter Rundschau.

Times Mager

Diversifikation

  • Arno Widmann
    VonArno Widmann
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Meist geht es im Krieg gegen den Terror nur um das große Geld. Doch die paar Hundertmillionen machen vor allem die Länder, die beides sind: Terror und der Kampf gegen ihn. Von Arno Widmann

1959 kam ein wunderbarer Film in die Kinos. "Die Maus, die brüllte". Es gab zwei Gründe, in diesen Film zu gehen: Peter Sellers und Jean Seberg. Aber am allerschönsten war der unvergessliche Plot. Ein Winzstaat in den Alpen ist bankrott. Der Staatsrat tagt. Ratlosigkeit. Verzweiflung. Dann hat einer die rettende Idee: Wir erklären den USA den Krieg. Keiner versteht ihn. Plötzlich aber sieht man die Augen leuchten. Jetzt haben es alle kapiert. Die USA werden das entzückende kleine Herzogtum Groß Fenwick besiegen, um es dann großzügigst wiederaufzubauen. Also schickt die Herzogin Gloriana XII - eine von Peter Sellers´ Rollen, in der deutschen Fassung gesprochen von Georg Thomalla - ihre Mannen in den Krieg mit den damals von uns Jugendlichen gerne zitierten Worten: "Ich möchte nicht, dass jemand verletzt wird!" Natürlich ein englischer Film. Das siegreiche England lag 1959 noch immer am Boden, während das zerbombte Deutschland sich von seiner bedingungslosen Kapitulation dank kräftigster Dollarspritzen nicht nur vom Krieg erholt hatte, sondern gerade die Fressphase des Wirtschaftswunders in die Einrichtungsphase übergehen ließ.

Inzwischen bedarf es keiner Kriegserklärungen staatlicherseits mehr. Man braucht nur noch ein paar Terroristen, gegen die man ja gerne vorginge, wenn man Geld, Infrastruktur hätte und - vor allem - adäquat aufgerüstet wäre, und schon hat man gute Chancen, aus dem Etat des Krieges gegen den Terror ein paar Hundertmillionen rübergeschoben zu bekommen. In den Ländern, die man früher die Dritte Welt nannte, ist schon seit langem die entscheidende Qualifikation eines Politikers, ob es ihm gelingt, an die internationalen Unterstützungsfonds heranzukommen. Der Krieg gegen den Terror hat diesen nur ein paar neue hinzugefügt. So wie vielerorts die Regierung die Opposition gleich mit übernimmt, so wird es bald keinen Clan mehr geben, der nicht wie die Bin Ladens Aufbau- und Abrissunternehmen zugleich ist. Das große Geld machen nur noch die, die beides sind: Terror und der Kampf gegen ihn. "Kaufhof bietet tausendfach alles unter einem Dach." Da wurde wohl zu weit diversifiziert. Sanaa ist da schlauer.

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