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Der FR-Redaktion ist nicht bekannt, ob CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak gern spazieren geht. Er könnte es aber mal versuchen. (Archivbild)
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Der FR-Redaktion ist nicht bekannt, ob CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak gern spazieren geht. Er könnte es aber mal versuchen. (Archivbild)

Times mager

Paul Ziemiak: Antisemitismus-Vorwürfe gegen Carolin Emcke – spazieren gehen für Selbstdistanz

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Politiker Paul Ziemiak wirft der Publizistin Carolin Emcke via Twitter Antisemitismus vor. Mittlerweile distanziert er sich von seinen Aussagen – ein Kommentar.

Frankfurt – Mal ganz offen gesagt: Der FR-Redaktion ist nicht bekannt, ob Paul Ziemiak gern spazieren geht. Dabei wäre es doch sehr wichtig, das zu wissen, gerade im Zusammenhang mit den Grünen und dem Antisemitismus und der ganzen Twitterei.

Auf „Zeit online“ war vor einigen Monaten ein sehr schöner Artikel zu lesen, der den Titel „Wie nehme ich Abstand von mir?“ trug. Es ging um „Selbstdistanzierung“, also um Wege heraus aus der Enge der eigenen Umgebung, der eigenen Gedanken und Ängste: „Viele Menschen entdecken das Schreiben als Möglichkeit, Freiheit in inneren Welten zu finden“, schrieb die Theologin Miriam Rose (wahrscheinlich meinte sie mit „Schreiben“ mehr als „Twittern“). Und weiter: „Eine weitere mögliche Weise ist das Spazierengehen.“

Paul Ziemiak (CDU): Antisemitismus-Vorwürfe gegen Publizistin Carolin Emcke auf Twitter

Am Wochenende hat es Paul Ziemiak mit Schreiben versucht beziehungsweise mit Twittern. Der Publizistin Carolin Emcke, die in einer Rede unter anderen Objekten diffamierender Verschwörungstheorien auch Jüdinnen und Juden erwähnt hatte, warf der CDU-Generalsekretär „eine unglaubliche + geschichtsvergessene Entgleisung“ vor, und: „Beim Thema Antisemitismus darf es keinen Raum für Interpretation geben.“ Carolin Emcke und Antisemitismus? Da tobte der Populist im Paul, ganz ohne Selbstdistanz.

Dann aber war Paul Ziemiak zwar eher nicht spazieren, aber er hat telefoniert. Mit Carolin Emcke. Und jetzt: Selbstdistanzierung! „Eine differenzierte Auseinandersetzung erfordert bei diesem Thema meistens mehr Raum als einen Tweet – das nehme ich mir zu Herzen.“ Und noch etwas hat Ziemiak gemerkt, auch wenn er der einzige Mensch auf Erden ist, der dafür mit ihr telefonieren musste: Carolin Emcke hat garantiert nichts mit Antisemitismus zu tun. Darauf der Grüne Konstantin von Notz: „Finde ich gut, Paul. Danke!“

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak: Fall Annalena Baerbock als Beispiel

Es ist sicher unangebracht, den Fluss der Freudentränen gleich wieder zu stören. Selbst die „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“, vulgo Lobbyabteilung der Metall-Arbeitgeber, hat sich ohne jeden Spaziergang von der Nutzung antisemitischer Klischees in einer Schmähanzeige gegen Grünen-Spitzenkandidatin Annalena Baerbock distanziert!

Wo also ist das Problem?

Ziemiak ist sicher eine total ehrliche Haut und meint es genau so, wie er es twittert Aber ganz leise regt sich der Verdacht, dass diese Abfolge aus Tabubruch und Distanzierung etwas zu häufig vorkommt, um jedes Mal als bedauerliches Versehen mit angeschlossener Läuterung durchzugehen.

Vorwürfe gegen Emcke auf Twitter: Ziemiak distanziert sich für liberales Publikum

Jedenfalls dürfte es der Blase, in der Ziemiaks Spiel mit dem Antisemitismus-Vorwurf auf Begeisterung stieß, vollkommen wurscht sein, wenn er sich fürs liberale Publikum distanziert. (Stephan Hebel)

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