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Dies und Aas

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Von: Bernhard Honnigfort

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Entgasungsexperte auf Wangerooge: Aart Walen.
Entgasungsexperte auf Wangerooge: Aart Walen. © dpa

Es gibt seltsame Berufe. Aber wurde der Niederländer Art Walen, der sich um die Insel Wangerooge verdient gemacht hat, wirklich zu Recht als Entgasungsexperte bezeichnet?

Als neulich in einer entlegenen Ecke des Internets eine Debatte darüber losbrach, wer wohl den schrägsten aller Berufe habe, da meinte ein Elektriker, er sei das. Weil er in einer Kläranlage arbeite: der ganze Gestank und dann auch noch die besserwissenden Kollegen. Das sei doch gar nichts, erwiderte eine Photovoltaikanlagenbauer und berichtete von seinem stressigen Berufsleben, vor allem von einem Landwirt, der ihm seine Tochter versprach, wenn es mit dem Bau der Photovoltaikanlage etwas schneller gehen könnte.

Nichts gegen Elektriker und Photovoltaikanlagenbauer, aber den seltsamsten Beruf aller Zeiten und Welten, wenn er denn überhaupt ein Beruf ist, übt ein Niederländer aus, der an der Nordseeküste schwer aktiv war, weil den Leuten dort sonst tonnenweise Speck um die Ohren geflogen wäre. Der Mann heißt Art Walen und wird in Medien als Entgasungsexperte bezeichnet.

Man brauchte ihn dieser Tage auf der Insel Wangerooge, wo zwei tote Pottwale am Strand lagen. Ein Entgasungsexperte wie Herr Walen geht dann mit einem spitzen und scharfen Messer zu den Kadavern, sagt allen anderen, die drumherum stehen und sich ekeln, sie möchten doch bitte Abstand halten, weil es gleich sehr ekelig werden könnte, und piekst Löcher durch die dicke Schwarte. Dann entweichen Faulgase, was sich anhört wie das Quietschen aufgeblasener Luftballons, wenn man die Öffnung nicht ganz zuquetscht. Aber es riecht natürlich ganz anders.

Eine Debatte ist entflammt

In einem anderen Winkel des Internets, wo heftig über die toten Wale geredet wird, ist nun die Debatte entbrannt, ob es tatsächlich einen Entgasungsexperten aus dem Königreich der Niederlande braucht, oder ob nicht auch ein junger mutiger Landwirt aus der Umgebung mit den Zinken seiner Heugabel ähnlich erfolgreich Quietschgeräusche erzeugen könnte.

Das soll hier nicht abschließend beurteilt werden. Interessant aber, dass der Mann womöglich gar kein Entgasungsexperte ist und sich selbst kaum so bezeichnen würde. Walen gilt in den Niederlanden als bekannter Restaurateur von Dinosaurierskeletten, und der ihm nun überall zugeschriebene Titel ist wahrscheinlich aus einer journalistischen Notlage entstanden: Wie soll man denn auch einen Mann nennen, der vorsichtig Löcher in Walkadaver bohrt und sich dann schnell abwendet? Kadaverentlüfter? Walanstecher? Aasentschärfer?

Entgasungsexperte klingt da schon deutlich besser und hebt nebenbei das Ego. So ähnlich wie Wirtschaftsweiser, Art Director, Terrorismusexperte, Facility Manager. Oder Kolumnist.

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