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Die Waltons

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Von: Judith von Sternburg

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Die Schauspieler der Fernsehserie „Die Waltons“ im Jahr 2004. Vor 50 Jahren – am 14. September 1972 – ging die US-Familienserie erstmals bei CBS auf Sendung, in Deutschland lief sie ab 1975 im ZDF-Vorabendprogramm.
Die Schauspieler der Fernsehserie „Die Waltons“ im Jahr 2004. Vor 50 Jahren – am 14. September 1972 – ging die US-Familienserie erstmals bei CBS auf Sendung, in Deutschland lief sie ab 1975 im ZDF-Vorabendprogramm. © Maurizio Gambarini/dpa

Als Eingeweihte auf „Gute Nacht, John-Boy“ mit „Gute Nacht, Mary-Ellen“ antworteten. 50 Jahre „Die Waltons“. Die Kolumne „Times mager“.

Pelikan oder Geha, Playmobil oder Play Big, „Bonanza“ oder „Shiloh Ranch“, Cornetto oder Nucki, das waren früher keine Bagatellfragen. Dabei waren es ja nicht die Kinder, die sich für die Figürchen entschieden hatten, die voll niedlich aussahen, aber nicht die Beine bewegen konnten (also nicht einzeln, Sie wissen schon). Das regelten die, die das Geld und die Macht hatten.

Die waren es auch, die „Die Waltons“ erlaubten, nicht hingegen „Unsere kleine Farm“. Wo ja merkwürdigerweise Little Joe als Familienvater wieder auftauchte, denn auch „Bonanza“ war erlaubt, „Shiloh Ranch“ jedoch nicht. Aber woher wussten die Kinder dann, dass Little Joe später seinen (in der Tat lächerlichen) Namen ändern und eine Familie gründen würde? Wir sind keine Verräterinnen!

Menschen, die „Die Waltons“ geguckt haben, sind bis heute daran zu erkennen, dass sie auf „Gute Nacht, John-Boy“ mit „Gute Nacht, Mary-Ellen“ antworten. Diese Momente waren die lustigsten jeder Folge, auch wenn es danach für eine Woche vorbei war.

Die Geschichten selbst überforderten die Kinder, aber nicht in der Substanz. In der Substanz ging es darum, dass es immer das Richtige und das Falsche gibt und dass es letztlich unangenehm gut auseinanderzuhalten ist. Das Böse, trat es von außen an die arbeitsame, aber finanziell stets klamme Großfamilie heran, war am fiesen Lächeln zu erkennen. Es ist an existenzielle Dinge zu denken, nicht immer ging es bloß um das mysteriöse Verschwinden von Grandmas Apfelkuchen. Grandma hieß Esther und war auch ansonsten eine Frau, wie die Kinder sie nicht leiden konnten (das ganze Frauenbild ein Alptraum). Die Kinder konnten allerdings auch John-Boy nicht leiden und Mary-Ellen ebenfalls nicht, viel zu alt beide. Jim-Bob war schon eher ihre Kragenweite.

Insgesamt waren die Waltons keine Spießer, aber fromm, fleißig, anständig und solidarisch. Und auch sehr weiß, was einem damals nicht auffiel. Auch dass den Amis hier vorgegaukelt wurde, die Rückbesinnung auf die Siedlertugenden von einst sei angesichts der verfluchten Moderne, des Vietnamdesasters etc. jetzt das Beste, fiel einem nicht auf.

Um uns die Stimmung zu verderben, zitiert der Evangelische Presse-Dienst US-Präsident George Bush senior von 1992: „Wir wollen weiter die amerikanische Familie stärken, damit Amerikas Familien wieder den Waltons ähneln und weniger den Simpsons.“ Das haben sie nicht verdient, die Waltons, oder doch, haben sie. Ist auch lange her, heute vor 50 Jahren lief die erste Folge.

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