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Der Wiener Jude Korngold kehrte Ende der 40er Jahre erstmals für einige Monate aus dem amerikanischen Exil zurück, voller Hoffnungen und Erwartungen, muss man sagen, die sich nicht erfüllten.
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Der Wiener Jude Korngold kehrte Ende der 40er Jahre erstmals für einige Monate aus dem amerikanischen Exil zurück, voller Hoffnungen und Erwartungen.

Times mager

Die tote Stadt

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
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Korngolds erfolgreichste Oper wurde vor genau hundert Jahren uraufgeführt. Schalten Sie sich am Freitagabend dazu!

Der ordentliche Reclam-Opernführer, der um 1995 unterm Weihnachtsbaum lag, kannte von Werner Egk (1901-1983) „Die Zaubergeige“ (uraufgeführt 1935, in Frankfurt) und „Peer Gynt“ (1938), „Columbus“ (1942, in Frankfurt) und „Irische Legende“ (1955), „Der Revisor“ (1957) und „Die Verlobung in San Domingo“ (1963) und auch „Siebzehn Tage und vier Minuten“ (1966). Unerwähnt blieb etwa „Das Spiel von Job dem Deutschen. Ein Mysterium“, 1933, auf einen Text des Nazis Kurt Eggers, oder die goldprämierte „Olympische Festmusik“ von 1936, freilich überhaupt keine Oper. Zudem ist der Reclam-Opernführer nicht biografisch orientiert, so dass man über Egks rege NS-Vergangenheit kein Wort erfuhr. Kein Wort erfuhr man auch über Erich Wolfgang Korngold (1897-1957), der gar nicht vorkam. Auf dem Papier mag manches länger dauern. Seit 1983 gab es Götz Friedrichs erstaunlich geniale und von der Kritik auch so wahrgenommene Berliner Inszenierung von „Die tote Stadt“.

Der Wiener Jude Korngold kehrte Ende der 40er Jahre erstmals für einige Monate aus dem amerikanischen Exil zurück, voller Hoffnungen und Erwartungen, muss man sagen, die sich nicht erfüllten. Er gestehe, so Korngold im November 1950, „dass es ein großer Schock für mich gewesen ist, die Erfahrung zu machen, dass eine ,Korngold-Premiere‘ für Wien kein Begriff mehr ist, weil es einfach ein ,Korngold-Publikum‘ nicht mehr gibt, dass die heranwachsende Generation nichts mehr von mir weiß, da ich eben doch eineinhalb Jahrzehnte ausgelöscht gewesen bin, kurz, zu realisieren, dass Vergaste, Vermoderte und Ausgewanderte nicht imstande sind, ein Theater zu füllen.“

Aber eigentlich sollte dieser Text von etwas sehr Schönem handeln. Erstens wurde am heutigen Freitag vor hundert Jahren – zeitgleich in Köln und Hamburg, und Wien scherte nur wegen Animositäten zwischen der Staatsoper (unter Richard Strauss) und Korngolds Vater aus, wobei man sich Korngolds Vater als eine Art Reich-Ranicki der Wiener Musikkritik vorstellen muss –, erstens wurde also am heutigen Freitag vor hundert Jahren „Die tote Stadt“ des 23 Jahre alten Komponisten Erich Wolfgang Korngold uraufgeführt. Ein riesiger, ein rasender Erfolg. Als Wien ein Jahr später folgte, schrieb der Herr Kritiker: „Seit Musik für das Theater geschrieben worden ist, hat noch kein Komponist in so jungen Jahren eine ähnliche Leistung vollbracht.“ Der große Puccini sagte: „Für mich ist Erich Wolfgang Korngold die stärkste Hoffnung der neuen deutschen Musik.“

Und zweitens sendet heute Abend, genau hundert Jahre später und gegen alle Widrigkeiten, die Oper Köln, sie soll hochleben, ihre Premiere der „Toten Stadt“ auf die Bildschirme. Jeder kann sich ein Ticket beschaffen.

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