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Winterzeit heißt eine Stunde länger schlafen.
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Winterzeit heißt eine Stunde länger schlafen.

Times mager

Die Stunde

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Angeblich wird sie einem geschenkt, die Winterzeit-Stunde. Aber was hält sie selbst davon?

Sonntagnacht ist das Times mager zufällig um 2:56 Uhr aufgewacht, hat auf den Wecker geschaut (obwohl es sich noch Samstagnacht und davor Freitagnacht geschworen hatte, nie wieder mitten in der Nacht auf den Wecker zu schauen, denn ist es nicht völlig egal, zu welcher Zeit man keinesfalls aufzustehen gedenkt?) und hat sich beim Anblick von 2:56 erinnert, dass ihm in vier Minuten eine Stunde geschenkt wird. Sich sogleich gefragt – zu seiner Rechtfertigung: im noch von Traumfetzen umwaberten Halbschlaf –, wo diese Stunde all die Monate aufbewahrt wurde. Und von wem. Oder ob sie sich möglicherweise selbst an einen Lieblingsplatz (auf einen Gipfel? In eine Höhle? Eine Suite im Frankfurter Hof?) zurückgezogen und geduldig gewartet hat.

Geduldig? Braucht Zeit Geduld, kann sie Ungeduld empfinden? Guckt auch eine Stunde, wie wir, wenn wir am Bahnsteig stehen oder im Wartezimmer unseres Zahnarztes sitzen, alle paar Minuten auf die Uhr (bzw. in sich hinein), als käme der Zug früher, als ginge dann irgendwas schneller vorbei? Fühlt sich eine Stunde für eine auf ihren Einsatz wartende Stunde länger an?

Im Halbschlaf wanderten die Gedanken weiter. Möglicherweise hält sie sich jetzt, 2:59, bereit, ist ziemlich nervös, ob das Wiederauftauchen reibungslos klappt. Oder sitzt schon im Zimmereck, die Stunde, ganz leise, hält den Atem an, beobachtet die Leuchtziffern, denn unpünktlich möchte sie auf keinen Fall sein. Was würden ihre Schwestern sagen, würde sie ihre Rolle nicht ausfüllen können: nämlich im März in weniger als einem Wimpernschlag zu verschwinden, im Oktober ebenso, blink, zurück zu sein auf ihrem Posten und diejenigen zu erfreuen, die nun nicht mehr im Dunkeln aufstehen müssen (bis sie im Dezember wieder im Dunkeln aufstehen müssen).

Sie ist sich dessen bewusst, dass unter all den Stunden in all den Tagen, Jahren, Jahrzehnten, unter all den Stunden, an die nie ein Mensch einen Gedanken verschwendet, sie eine ganz besondere Verantwortung trägt. Sie ist sich auch dessen bewusst, dass viele sie abschaffen möchten oder jedenfalls ihren Job einfach streichen. Es ärgert sie, dass man ihr Dinge vorwirft, an denen sie nicht schuld ist – denn hat man sie je nach ihrer Meinung über die Sommer- oder Winterzeit gefragt? Eben. Sie kann sich durchaus vorstellen, in Rente zu gehen.

Die Menschen sagen, die Zeitumstellung mache ihnen und ihren Tieren zu schaffen. Vom Kurbeln an unzähligen Zeigern an unzähligen Kirchtürmen gar nicht zu reden. Aber kann sie, die jetzt schon so viele Jahre pünktlich war, irgendetwas dafür?

3:00 Uhr. Sie seufzt. Aber selbstverständlich wird sie auch 2021 ihre Pflicht erfüllen.

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