Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Times mager

Die sechs

Die Shortlist für den Deutschen Buchpreis: ziemlich verlockend. In der Poleposition: eine Debütantin.

Trotz allem spricht auch viel dafür, dass das sprödeste Buch unter den sechs, Deniz Ohdes Debütroman „Streulicht“ (Suhrkamp) in der Poleposition steht.

Es ist der Buchpreis-Jahrgang der schmalen Bände. Noch die letzten der wenigen umfangreicheren Titel verschwanden auf dem Weg von der Long- und auf die Shortlist – darunter leider Frank Witzels „Inniger Schiffbruch“, dabei schreibt er sonst viel mehr. Eine U300-Shortlist, das klingt aber rigoroser, als es ist, und man kann der Jury nicht vorwerfen, daraus ein Prinzip zu machen. Man kann ihr auch sonst keine Vorwürfe machen, und das seltene Verhältnis von vier Autorinnen zu zwei Autoren wirkt nicht ausgezählt. Eher ist es ein Sieg der Sprache, der Fantasie, der Notwendigkeit und der Poesie, der sich schon auf der Longlist anbahnte und nun konsequent fortsetzt. Und natürlich auch rätselhaft fortsetzt. Was wäre das für ein Buchmarkt, der sechs Titel herausdeuten könnte, ohne schluchzend auf andere zu verzichten (genau: wo ist Olivia Wenzels „1000 Serpentinen Angst“ geblieben?).

Sie also sind es: Bov Bjergs „Serpentinen“ (Claassen) ist der bereits vielbeachtete todtraurige Roman über einen suizidalen Vater und seinen Sohn, unterwegs auf gefährlicher Strecke und mit viel familiärem Ballast. Thomas Hettches „Herzfaden“ (Kiepenheuer & Witsch), illustriert und zweifarbig, erzählt aus der Augsburger Puppenkiste heraus eine jener deutschen Geschichten, die offenbar erzählt werden mussten, ohne dass unsereiner es bislang ahnte. Zwei Gewinner, über die sich keiner wundern würde.

J etzt wird es noch eigenwilliger. Dorothee Elmigers „Aus der Zuckerfabrik“ (Hanser) ist wohl ein Romanessay, auch wenn es gar zu schade ist, diese ebenso straffe wie abschweifende Recherche über Hunger und Lust, Kapitalismus und Kolonialismus überhaupt in eine Rubrik zu sortieren. Anne Webers „Annette, ein Heldinnen-Epos“ (Matthes & Seitz Berlin) ist das, was der Titel sagt. Die Heldin: Anne Beaumanoir, die sich in der Résistance engagieren wird und später im Algerienkrieg gegen die Franzosen. Wer zuletzt an der zu perfekt funktionierenden Substanzlosigkeit von „Kirio“ litt, kann hier wieder Webers Virtuosität bewundern, zu der auch das Dimmen derselben gehören kann. Die fabelhafte, aber noch viel zu unbekannte Christine Wunnicke konterkariert in „Die Dame mit der bemalten Hand“ (Berenberg) erneut die Vorstellung, ein historischer Roman sei ein Schmöker.

Trotz allem spricht auch viel dafür, dass das sprödeste Buch unter den sechs, Deniz Ohdes Debütroman „Streulicht“ (Suhrkamp) in der Poleposition steht. Eine autobiografische Erzählung über ein Mädchen aus einem Frankfurt-Sindlinger Arbeiterhaushalt, Ein unmittelbar zugängliches Buch, aber ein sehr ungemütliches.

Rubriklistenbild: © Arne Dedert/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare