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Seit Tagen sprechen die USA über eine Fliege und was sie für die Präsidentenwahl bedeutet.

Times Mager

Die Fliege

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Ganz Amerika redet von einem Insekt, das wohl nun berühmt werden wird.

Seit Tagen sprechen die USA über eine Fliege und was sie für die Präsidentenwahl bedeutet. Wird sie das Rüsselchen an der Briefwahl, äh -waage sein? Hat sie irrtümlich gedacht, sie landet auf einem Toten, weil Mike Pence so blass ist und nie eine Miene verzieht? Wollte sie, als sie ihren Irrtum bemerkte, einfach noch ein bisschen Zeit im Scheinwerferlicht verbringen? Ist sie also eitel? Hat sie das alles geplant, von langem Beinchen? Sich an Securityleuten und Hygienetechnikern vorbeigeschmuggelt? Hat sie bei ihrem langen Aufenthalt auf Mike Pences Kopf eine Krankheit übertragen? Hat sie sich womöglich, und das wäre besonders tragisch bei einem so kurzen Leben, in den Haaren Pences mit irgendetwas angesteckt? Der Vizepräsident hat keine Maske getragen, die Fliege auch nicht.

Die Republikaner sprechen über die Respektlosigkeit dieser Calliphora. Als ob der Präsident nicht in Sachen Respekt stets ein gutes Vorbild gewesen sei. Sie werden schon in den nächsten Tagen eine Gesetzesvorlage einbringen, wonach die Regierung Millionen von Fliegenklatschen einkauft und an die Bevölkerung verteilt. Dazu Mützen mit der Aufschrift: Make Flies Dead. And Deader.

Die Demokraten rühmen die Tollkühnheit der Fliege. Hätte ja sein können, dass Pence sie bemerkt und nach ihr schlägt. Aber sie: Nerven wie Stahl, zwei Minuten und neun Sekunden lang. Dazu die richtige politische Einstellung. Sollte Joe Biden die Wahl gewinnen, wird er sie für einen Orden vorschlagen. Notfalls auch posthum.

Kein amerikanischer Late-Night-Talker oder Comedian, der nicht mindestens zwei gute Fliegenwitze parat haben muss, zwei pro Sendeviertelstunde wohlgemerkt – der Druck auf die Gag-Schreiber von Jimmy Fallon, Jimmy Kimmel oder Stephen Colbert ist enorm, denn so richtig viel gibt eine Fliege nicht her. Um abzulenken, setzen die Gag-Schreiber sich ein Eichhörnchen auf den Kopf, was im Englischen noch lustiger und peinlicher klingt: squirrel.

Es heißt, dass die Fliege mit CNN einen Exklusivvertrag über drei Live-Interviews geschlossen hat, Arbeitstitel: „Meine zwei Minuten und neun Sekunden Ruhm“. Es heißt außerdem, dass Random House die Autobiografie herausbringen wird, Titel: „Mein Leben. Tag eins“. Fortsetzung nicht ausgeschlossen. Die Fliege hat schon bekanntgegeben, dass sie alle ihre Nachfahren dazu aufruft, ihrem Beispiel zu folgen. Und sich auch nicht entmutigen zu lassen, wenn sie die bereits 1354. oder 1583. Fliege auf dem Kopf von Mike Pence sind. Jeder Schiss zählt!

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