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Die Einladung

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Von: Sylvia Staude

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Nicht jede und jeder da oben kann Englisch.
Nicht jede und jeder da oben kann Englisch. © Lorenzo Di Cola/Imago

Wie sollen die Aliens das verstehen, dass wir ihnen eine Strichzeichnung von zwei nackten Menschen schicken?

Die Frau steht eine Fußlänge hinter dem Mann und hat keine Nase. Dafür sind ihre Mundwinkel kräftig hochgezogen (Frauen lächeln öfter, klar) – und so war halt einfach kein Platz mehr für eine Nase. Der Mann hat die rechte Hand zum Gruß erhoben, die Frau, links von ihm, die linke Hand. Beide sind nackt. Und gestrichelt. Und sehen aus, als wäre unser erster Computer (so einer, der doppelt so schwer war wie unser Dackel und in den wir Disketten geschoben haben, was beim Dackel, zugegeben, nicht gut möglich war), als wäre also dieser Steinzeit-Rechner gern KI geworden und hätte eigenmächtig versucht, einen Mann und eine Frau zu zeichnen. Mit knubbeligen Knien, mit zwei Ellipsen bzw. einem V zwischen den Beinen.

Wird irgendwo im All bald (na ja, in Tausenden von Jahren, frühestens) ein kleines grünes Männchen zum kleinen grünen Frauchen sagen: oh, guck mal, Fredemunde-Ingolfine, zwei Nackte! Meinst du, die schicken uns das, weil sie an einem Partnertausch interessiert sind? Sollten wir …? Oder werden sich beide ratlos ansehen, die, äh, Tentakel zucken und beschließen, ihren Jahresurlaub erstmal weiterhin auf der Venus zu verbringen?

„A Beacon in the Galaxy“ (ein Leuchtturm in der Galaxie) heißt das jüngste Nasa-Projekt, das – in binärem Code – oben beschriebenes Paar, dazu eine Zeichnung von DNA, eine simple Karte der Erde und ein Erklär-Diagramm zur Schwerkraft in den Weltraum schicken will. Es wäre keineswegs die erste menschliche Botschaft, die durch die endlosen Weiten schießt – ob mit Erfolg, lässt sich, siehe oben, noch gar nicht sagen. Die Nasa sendete zum Beispiel am 4. Februar 2008 „Across the Universe“ von den Beatles, Wörter und Gedanken machen darin ihren Weg durchs All, aber auch „limitless undying love“. Schön. Allerdings geben wir zu bedenken, dass besonders in einer fremden Sprache Gesungenes eher schwer zu verstehen ist. Und nein, nicht jede und jeder kann Englisch.

Am umstrittensten ist diesmal freilich gar nicht die Frau ohne Nase, der Mann mit der Andeutung eines Sixpacks (mehr als die Hälfte aller männlichen Menschen sind übergewichtig, haben aber bis zu einem Besuch von Aliens garantiert abgenommen), sondern die Tatsache, dass diesmal auch ins All gesimst, gemorst, gestrahlt, möglicherweise auf einer Diskette gesendet werden soll, wo in unserer Galaxie sich die Erde befindet.

Doch ehe Sie sich nun erschrecken, gleich ein wenig aufräumen, falls demnächst Außerirdische an Ihrer Tür klingeln – trösten Sie sich. Ehe der Nasa-Navi irgendwo irgendwelche intelligenten Wesen erreicht, werden Sie die Aliens schon nicht mehr persönlich empfangen müssen.

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