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Klingeltöne können uns an unterschiedliche Orte versetzen.
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Klingeltöne können uns an unterschiedliche Orte versetzen.

Times mager

Didelitüditü

  • Sandra Danicke
    VonSandra Danicke
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Manchmal versetzen uns Klingeltöne an Orte, an denen man gerade gar nicht sein möchte.

Neulich in einem vietnamesischen Restaurant erklangen plötzlich folgende Töne: Didelitüditü. Wobei man sich vorstellen muss, dass die Betonung auf dem zweiten und dritten I liegt und sich das Ditü am Ende leicht in die Höhe schraubt. Es erklang also diese Tonfolge, die dazu führte, dass man sich unmittelbar in einen Frisierstuhl versetzt fühlte. Das Telefon des Friseurs hat den gleichen Klingelton wie das des Restaurants. Selbst, wenn man im vergangenen Jahr überhaupt nicht da war, hat sich der Klingelton und das damit verbundene eigenwillige Gefühl, das man hat, wenn man sich mit dämlich nach vorne gekämmten Nasshaar im Spiegel anschaut, offenbar ins Gehirn gebrannt.

Vor ein paar Tagen bei der Physiotherapeutin war es so ähnlich. Es läutete ein dezentes Didelladudidum und schon spannte man – ganz gegen die Anweisung der Physiotherapeutin – sämtliche Muskeln an. Schwups sah man sich nämlich mit grell angeleuchtetem Gesicht und weit geöffnetem Kiefer beim Zahnarzt sitzen. Natürlich gibt es auch dazu Studien. Forscher von der Universität Regensburg haben untersucht, welche der täglich auf uns einprasselnden Geräusche sich unbewusst unserem Gedächtnis einprägen. Jene, die an der Studie teilnahmen, sollten sich am Bildschirm auf aufploppende Wörter konzentrieren. Kam ein Wort zweimal vor, sollten sie eine Taste drücken. Währenddessen spielte man ihnen Alltagsgeräusche vor, die die Probanden und Probandinnen – so hatte man ihnen gesagt – möglichst ausblenden sollten.

Anschließend wurden ihnen diese und ähnliche Geräusche vorgespielt. Die Teilnehmenden wussten überraschenderweise sehr genau, welches Kühlschrankbrummen und welches Waschmaschinengegrummel sie zuvor schon einmal gehört hatten. Das Gehirn merkt sich also weit mehr als man will. Sicherlich hat das – wie fast alles, was das Gehirn betrifft – evolutionäre Gründe. So kann es ja wichtig sein, das Tapsgeräusch eines Bären vom Geraschel, das der Wind in einem Strauch verursacht, zu unterscheiden. Unklar erscheint jedoch, warum der Mensch bis heute nicht in der Lage ist, Geräusche, die er für unnütz und sogar ärgerlich hält, aus dem Gedächtnis zu streichen.

Ein befreundeter Künstler, der mit zehn Jahren schlagartig taub wurde, erzählte, dass er sich jetzt, 55 Jahre später, noch an die Melodie einer Bierwerbung erinnern könne, den Klang der Stimme seiner Mutter hingegen längst vergessen habe. Erstaunlich? Nein, normal. Wetten, dass Sie sich - sofern Sie über 40 sind - noch an die Melodie zu folgendem Satz erinnern können? „Meister Proper putzt so sauber, dass man sich drin spiegeln kann.“

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