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Das Foto vom 29.07.81 zeigt wie Diana, Prinzessin von Wales, in ihrem Brautkleid im Buckingham Palast sitzt.
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Das Foto vom 29.07.81 zeigt wie Diana, Prinzessin von Wales, in ihrem Brautkleid im Buckingham Palast sitzt.

Times mager

Diana Israel

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
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Von der Übermacht der Gefühle erzählt Ulrike Kolbs Roman „Frühstück mit Max“.

Up to date sein, unbedingt! Um also das Thema anzusprechen, das die Welt in den vergangenen Tagen unglaublich beschäftigt hat. Unglaublich? Seite-1-Schlagzeilen in den Schlagzeilenblättern, große Überschriften in den großen Tageszeitungen weiter hinten im Blatt. Lesestoff nicht nur während der letzten Tage, wie man in Ulrike Kolbs Roman „Frühstück mit Max“ lesen kann, erschienen im Jahr 2000.

Zufall? Immerhin Ironie der Geschichte, dass damals bereits, so der Roman, in der „New York Times“ zu lesen war, „die Psychoanalytiker Manhattans hätten es zur Zeit mit einem vorherrschenden Thema zu tun; fast alle Patienten seien ganz eins mit der Einsamkeit der gerade gestorbenen Prinzessin Diana und verbündeten sich mit ihr gegen Charles und die englische Königsfamilie, sie sehen es als Verrat an, was der Prinzessin angetan wurde, und es ist, als wären sie selbst verraten worden.“

Von der Übermacht der Gefühle erzählt der Roman auch keine zehn Seiten später, beim Gespräch über Politik: „dabei, ich weiß nicht wie, löste sich mir die Zunge, und ich tat kund, wir in Deutschland lebten in einem Scheißstaat, denn wir wären, wie Israel auch, ein Brückenkopf des amerikanischen Imperialismus.“ Einmal in Rage, fängt der Erzähler an, „über den Sechstagekrieg zu wettern, so wie ich es zu Hause gelernt hatte, ja, ich sagte etwas von der faschistischen Armee Israels, (…) das hatte ich nämlich vor meiner Abreise in der Wohngemeinschaftsküche aufgeschnappt (…).“

Dianadrama und Rage gegen Israel – so wenig das eine mit dem anderen zu tun hat, die Empathie für Diana und der Hass auf Israel, so verweist der Roman doch darauf, wie sehr sich Verdacht und Verschwörungen verselbstständigen. Ulrike Kolbs Roman, vor 21 Jahren erschienen, erscheint im Frühsommer 2021 von einer Aktualität, die sich aufdrängt.

Wie zum Beweis, dass Literatur zuständig ist für Zufälle, kommt es im „Space Untitled“, in einer New Yorker Frühstücksbar, nach Jahrzehnten zur Begegnung zwischen Nelly und Max, deren gemeinsame Vergangenheit, sie als junge Frau, er noch ein Kind, in die 1970er Jahre zurückreicht, in einer Berliner Altbauwohnung, in einer linksradikalen WG.

Ein unvorhergesehenes Wiedersehen zwischen den beiden. Soeben eine unvorhergesehene Wiederbegegnung auch mit einem Roman, dessen Vergegenwärtigung der Vergangenheit hineinreicht bis in die letzten Tage. Bis in das durch den Tod Dianas aufgewühlte Ich, immer noch. Bis in den durch Judenhass aufgestachelten Israelhass, weiterhin. Der Roman lässt in sich hineinhorchen, Literatur überhaupt tiefer blicken.

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