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Der Haken

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Von: Sylvia Staude

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„Katz’s Delicatessen“ in New York: Für Cineasten, die „Harry und Sally“ mochten, sieht so das Paradies aus.
„Katz’s Delicatessen“ in New York: Für Cineasten, die „Harry und Sally“ mochten, sieht so das Paradies aus. © Chris Melzer/dpa

Wie stellen Sie sich das Paradies vor? So wie Sahra Wagenknecht? Oder eher Armin Laschet?

Carolin Kebekus wäre am liebsten eine „superentspannte Energiewolke“. Armin Laschet möchte mit sich und der Welt im Reinen sein (und sicher sein können, dass er wenigstens dort drüben nicht im falschen Augenblick fotografiert wird). Cem Özdemir wünscht sich, die „unglaublich inspirierenden“ Männer und Frauen wiederzusehen, die er „hier unten“ schon getroffen hat (warum eigentlich ist dort immer oben?, Anm. d. Red.). Oliver Polak fällt als erstes „Katz’s Delicatessen“ im New York der achtziger Jahre ein, André Heller sein „Anima Garten“ in Marokko, der ein „Glücksort“ sei (beim Wort „Glücksort“ müssen wir unglücklicherweise sofort an den jüngsten Dresden-Tatort denken). Siri Hustvedt würde sich ihren Himmel unter diversen Varianten schon gern selbst aussuchen dürfen und einen „Himmel mit Sex“ bevorzugen. Sahra Wagenknecht wäre mit einer riesigen Bibliothek, „köstlichen Speisen“ und „umfangreichem Weinkeller“ zufrieden. Aber bitte ohne Kater.

Die „Süddeutsche Zeitung“ hat prominente Menschen nach ihren Vorstellungen vom Paradies gefragt und damit die eigenen Überlegungen befeuert. Katz’s Delicatessen? Warum nicht. „Anima Garten“ mit einem Mann, der so von sich überzeugt ist, dass er glaubt, schon ein Stück Paradies geschaffen zu haben? Kommt nicht in Frage. Sich Siri Hustvedt oder Sahra Wagenknecht anschließen? Es gäbe Schlimmeres, wie schon Ludwig Thomas Engel Aloisius am eigenen Leib erfuhr – als diesen, also den unsterblichen Leib, nach Bier und an Schmaizla verlangte, Genüssen, die der eine für durchaus feinstofflich halten kann, der andere (Petrus?) eher nicht.

Aber jede Paradies-Vorstellung, egal ob Garten, Kneipe, übergroßes Lotterbett, Freibad, Südseestrand, Gipfel eines Achttausenders, Liegestuhl am Gardasee etc. etc., hat einen gewaltigen, weil die Aufenthaltsdauer betreffenden Haken: Wenn wir das Kleingedruckte richtig verstehen, können wir nicht einfach aufstehen und gehen.

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen mit lieben Freundinnen und Freunden beisammen, Engel bringen Ihr Lieblingsgericht, wann immer Sie wollen, dazu Ihren Lieblingswein, weder werden Sie betrunken, noch nehmen Sie zu – paradiesisch? Da beginnt Ihnen plötzlich W. auf die Nerven zu gehen, der am liebsten erzählt, was für ein toller Tischtennisspieler er „unten“ war. B. fällt ihm ins Wort, denn sie möchte endlich wieder unterbringen, wie sie einmal Johnny Depp kennenlernte. Und weiß eigentlich jemand am Tisch, wo der gelandet ist, so paradiesmäßig? Alle schütteln zum gefühlt 9000. Mal den Kopf. Doch Sie müssen bleiben, in Ewigkeit, Sie haben es sich ausgesucht.

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