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Times Mager

Denkzettel

Wir erfahren, Kinder ärgerten sich offenbar über die Unehrlichkeit eines Eisverkäufers und griffen zum guten alten irischen Mittel des Boykotts. Und was macht der Eisverkäufer? Geht zur Polizei. Von Judith von Sternburg

Die Nachrichtenagentur ddp unterrichtet uns über folgenden Vorfall: In Weil am Rhein hat sich ein Eisverkäufer bei der Polizei gemeldet. Er beklagte sich über ausbleibende Kundschaft und Kinder, die ihn "fertig machen" wollten. Er vermutete einen Konkurrenten hinter der Sache. Als die Polizei ihr nachging, zeigte sich allerdings, dass der Eisverkäufer zuvor verbreitet hatte, ein anderer Eisverkäufer sei verstorben. Dieser jedoch war lediglich verreist. Offenbar hatte ihm der Eisverkäufer mit unlauteren Mitteln die Kundschaft abspenstig machen wollen. Die Kinder ärgerten sich über die Unehrlichkeit, mutmaßt nun die Polizei, und griffen zum guten alten irischen Mittel des Boykotts.

Die Geschichte bleibt ein wenig rätselhaft. Wie konnte es so weit kommen, dass der Eisverkäufer zur Polizei ging? Die Kinder aber haben, vermutlich ohne es zu wissen, eine genau 80 Jahre alte Konstellation aus "Emil und die Detektive" variiert. Ihrer Empörung haben sie sogar besonders effizient Ausdruck verliehen, indem sie nicht wie in der Grundeis-Affäre bei Erich Kästner auf reine Bloßstellung setzten, sondern als Verbraucher Einfluss auf den Markt (hier: den Kugeleismarkt in Weil am Rhein) nahmen. Auch haben sie, vermutlich ohne es zu bedenken, die Erwachsenen daran erinnert, dass sich die beklagte Machtlosigkeit des Einzelnen durch geringfügigen Zusammenhalt ins Gegenteil wandeln lässt. Erwachsene indes jammern lieber über den Stimmgewinne für Rechtsextreme, gehen aber nicht zur Europawahl. Nur um ein Beispiel zu nennen.

Natürlich ist die Eisverkäufer-Konstellation komplizierter. Muss einem der Verkäufer, der so ungeschickt Lügen verbreitet hat, nicht leid tun? Ist Rudelbildung, so moralisch fundiert sie sein mag, nicht unerquicklich? Sind Denkzettel für Fehlverhalten, so pädagogisch sie wirken mögen, nicht noch viel unerquicklicher? Und will man nicht gerade deshalb gleich eine Portion Nuss-Nuss-Vanille bei jenem Glücklosen erwerben? Trotz allem? Schon der Schurke Grundeis kam einem doch am Ende wie eine arme Wurst vor (obwohl Kästner alles tut, um diesen Eindruck zu vermeiden). Entgegen den Gerüchten ist die Politik weitaus übersichtlicher als das Leben hier draußen auf den Straßen.

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