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Und wo treibt sich der alte weiße Mann herum? Sie werden es nicht fassen: im Internet.
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Und wo treibt sich der alte weiße Mann herum? Sie werden es nicht fassen: im Internet.

TIMES MAGER

Deal

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Von alten weißen Männern und ihrem Gefühl fürs Internet.

Wir alten weißen Männer kennen das. Plötzlich kommen Leute, die uns „alte weiße Männer“ nennen, und wir sind beleidigt. Das geht meistens so lange, bis wir begriffen haben, dass die Sache mit den „alten weißen Männern“ nur erfunden wurde, damit wir mal verstehen, wie es ist, in eine Kategorie gesteckt zu werden, so wie „eine Familie mit Migrationshintergrund“ oder „ein junger Deutscher mit afrikanischem Aussehen“.

Im Großen und Ganzen ist also alles so weit okay. Wir alten weißen Männer werden das mit den „alten weißen Männern“ gern ertragen, so lange, bis das Kategorisieren allseits ein Ende hat. In der Zwischenzeit dürfen wir alten weißen Männer uns gern auch voneinander unterscheiden, denn nur wer kategorisiert, wird alle alten weißen Männer für konservative Knochen halten, die sich wutzitternd mit der linken Hand an alte Privilegien klammern, während sie in der rechten den Füllfederhalter schwingen, um Leserbriefe zu schreiben. Oder umgekehrt, aber wenn wir jetzt noch mit der Kategorie „alte weiße Linkshänder“ anfangen, wird es zu kompliziert.

Nein, nicht alle alten weißen Männer sind „alte weiße Männer“, so einfach ist die Sache. Steffen Lehndorff zum Beispiel ist 1947 geboren, männlich und weiß. Ein deutscher Professor wie aus dem Bilderbuch, Wirtschaftswissenschaftler und – Achtung, Kategorie – ein Altlinker noch dazu. Und wo treibt sich der alte weiße Mann herum? Sie werden es nicht fassen: im Internet.

Eigentlich hat Steffen Lehndorff ein kleines Buch geschrieben, ganz analog und dummerweise mitten in die Pandemie hinein. Da geht es um den „New Deal“, das große Konjunktur- und Sozialstaatsprogramm der US-Regierung unter Franklin D. Roosevelt in den 1930er Jahren. Und um die Frage, was wir daraus lernen können. Sehr schön, aber der alte weiße Mann muss gedacht haben: Das mit den Büchern ist auch nicht mehr, was es mal war, wir machen es jetzt mit Gesang. Jawoll, mit Gesang.

Da sitzt also der gute alte Lehndorff in einem riesigen Sessel, schildert in leicht verständlichem Deutsch die schönen Erfolge des „New Deal“, und zwischendurch singen ein anderer alter weißer Mann und eine Frau, die sich „Duo Cuppatea“ nennen, die dazu passenden Lieder aus den USA. „Rise Up Singin’“ heißt das Ganze, irgendwann soll es auf Bühnen passieren, aber jetzt passiert es auf dem einschlägigen Kanal im Internet, von dem manche Leute glauben, alte weiße Männer hielten ihn immer noch für eine Londoner U-Bahn-Linie.

Schauen Sie mal rein, die Sache geht nicht nur alte weiße Männer an. Wenn Sie „Rise up Singin’ Lehndorff“ eingeben, stoßen Sie bald darauf. Deal?

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