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Ein Gruß mit dem Ellenbogen – während der Corona-Pandemie zur Gewohnheit geworden.
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Ein Gruß mit dem Ellenbogen – während der Corona-Pandemie zur Gewohnheit geworden.

Times mager

De-regeln

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Was darf man nun wieder? Und was nicht? Und was sollte man wollen.

Vor dem kleinen Supermarkt in P. alte Bekannte getroffen, an die man seit gefühlt 397 Jahren nicht mehr gedacht hat. Vielmehr mit den alten Bekannten fast zusammengestoßen, denn die M.s haben direkt neben einem geparkt und steigen nun aus (missmutig schoss einem eben noch durch den Kopf: muss das sein, dass der sich da hinstellt – was ist mit dem Abstand und soll ich nun etwa, Sacklzement, meine Maske wieder aufziehen?). Sind Sie das?, fragt da Frau M. auch schon. Und erweitert, sehr vernünftig, sogleich zu: Sind Sie das, Frau S.?

Frau S. fühlt sich also nicht mehr in der Lage zu leugnen. Ja, nicht einmal in der Lage zu entscheiden, ob sie hätte leugnen wollen und aus welchen guten oder schlechten Gründen. Herr M. tritt indessen einen Schritt vor und fährt den Ellenbogen aus, als habe er die letzten 397 Jahre nichts anderes getan (bestimmt hat ihn die Enkelin gecoacht). Frau S. muss zugeben, dass sie für einige Sekunden ratlos auf den ihr angebotenen Ellenbogen guckt, dann beschämt ist, denn nach mehr als einem Jahr der Ellenbogen-Begrüßungen sollte sie es doch können, ohne Zögern und zielsicher außerdem. Was werden die M.s denken? Dass man von vorgestern ist?

Und was wird die nette Verkäuferin im Hofladen denken, die sich – gerade hat man die Hände desinfiziert, den eigenen Einkaufskorb in einen Einkaufswagen gestellt, denn kein Eintritt ohne Einkaufswagen – die sich also in die Tür stellt und eine Aufzählung dessen beginnt, was man als Kundin nun alles wieder darf. Oder vielmehr dürfte, wenn man wollte. Aber irgendwie doch auch sollte, denn hat die nette Verkäuferin sonst nicht den Eindruck, man sei von gestern?

Man darf ohne Einkaufswagen eintreten, unter anderem. Und das in Scharen, denn auch die Maximal-vier-Personen-Regel ist gefallen (buchstäblich zeigt es einem nun das innere Auge, wie Verbotsschild um Verbotsschild purzelt. Aber was, wenn einem eins auf die Zehen fällt?)

Allerdings fügt es sich an diesem Dienstagabend, dass gar niemand mit einem eintreten könnte, weil man eh ganz allein ist im Hofladen-Hof – uff, diese Entscheidung wenigstens ist einem noch einmal abgenommen. Aber dann: Sie können auch wieder Ihre eigenen Gefäße mitbringen, sagt die nette Verkäuferin. Und einen Moment rätselt man: Was war das nochmal, das man einst in die Plastikböxchen packen ließ? Den Bergbauernkäse?

„Einst“ scheint das richtige Wort für eine Zeit, die bereits als goldene, ferne ins Gedächtnis eingeht. Und kann es tatsächlich sein, dass sie wiederkommt? Echt jetzt? Frau S. jedenfalls erschrickt angesichts der De-Regulierungen aller Art, Ellenbogen hin oder her.

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