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Times Mager

Darmstadt

  • VonHans-Jürgen Linke
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Zwölf Lichtminuten, das klingt nicht wie eine wirklich große Entfernung. Wenn man zwölf Lichtminuten allerdings in Kilometer umrechnet, kommt man auf eine Strecke, die man nicht mit der Deutschen Bahn vor sich haben möchte. So weit ist Darmstadt im Moment entfernt.

Zwölf Lichtminuten, das klingt nicht wie eine wirklich große Entfernung. Wenn man zwölf Lichtminuten allerdings in Kilometer umrechnet, kommt man auf eine Strecke, die man nicht mit der Deutschen Bahn vor sich haben möchte. In ungefähr dieser Entfernung von hier liegt Darmstadt, wobei „hier“ nicht nur das Redaktionsgebäude der FR meint, sondern den Planeten, auf dem es errichtet wurde.

Menschen, die nicht zum richtigen Zeitpunkt etwa die Ausgabe einer südhessischen Regionalzeitung lesen konnten, können jetzt kaum wissen, dass und warum Darmstadt nicht auf diesem unserem Planeten liegen soll, und wenn sie gar in der Stadt Darmstadt, die zwanzig Zugminuten südlich vom Frankfurter Hauptbahnhof liegt, leben, könnten sie furchtbar enttäuscht sein, dass ihre Heimatstadt plötzlich so fern sein soll: Wie jemals wieder dort hin kommen, zum Luisenplatz, auf die Mathildenhöhe! Was soll aus dem Jazzinstitut, dem internationalen Musikinstitut, dem Heinerfest werden! Wer hat das alles so weit fort katapultiert!

Viele Darmstädter aber wissen längst, dass Darmstadt seit einigen Tagen der Name eines Asteroiden ist. Weit draußen, irgendwo zwischen Mars und Jupiter, zieht er seine Bahnen und braucht für eine einzige Sonnenumkreisung mehr als fünf unserer Jahre. Unter den Asteroiden unseres Sonnensystems trägt er die Nummer 241418, den Namen Darmstadt gab ihm sein Entdecker Erwin Schwab. Entdecker dürfen das.

Die Vergabe von Namen ist eine symbolische Inbesitznahme, die ein Gefühl der Verbundenheit und Zugehörigkeit schafft, wie es schon der Lyriker Christian Morgenstern im Falle des Mondes nachwies. Er malt beim Abnehmen ein altdeutsches a und beim Zunehmen ein ebensolches z an den Himmel und ist seither ein „völlig deutscher Gegenstand“, trotz seiner auch schon beträchtlichen Entfernung von Berlin.

Darmstadt aber ist ein zwölf Lichtminuten entfernter südhessischer Steinbrocken, auch wenn man das vom terrestrischen Darmstadt aus nicht sieht. Möglicherweise hat die ESA schon in Zusammenarbeit mit dem Stadtmarketing die Konzeptualisierung einer unbemannten Darmstadt-Mission ins Auge gefasst.

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