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Times Mager

Dahinter

Mit der Post kam kürzlich der Brief eines Verlages, in dem stand: "Soundso überzeugte mit ihrem packenden Debüt auf Anhieb": Über die Wirkungen von Reklame und Fassade. Von Judith von Sternburg

Mit der Post kam kürzlich der Brief eines Verlages, in dem stand: "Soundso Soundso überzeugte mit ihrem packenden, atmosphärisch dichten Debüt ,Hm Hmhmhm die internationale Presse auf Anhieb und stürmte sofort die Bestsellerlisten." Beigelegt war ein Artikel aus einem Branchenmagazin von 2009, in dem die "vernetzte Bestsellerkampagne" für das betreffende Buch in den USA geschildert wird. Die "Marketing- und PR-Kampagne" des Verlags lief demnach über sechs Monate und schloss neben sorgfältig lancierten Leseexemplaren und einer Lesereise auch zahlreiche Mittagessen mit ausgesuchten Journalisten ein, weil die Autorin "bestens in der US-Medienlandschaft vernetzt ist". - "Die Kampagne brachte die gewünschte Resonanz." Der deutsche Verlag wolle bis zum Frühjahr 2010 warten, "um die Debütantin mit dem bis dahin erhofften Ruf einer Bestsellerautorin leichter durchsetzen zu können". Nun ist es also so weit.

Schlimm ist das keineswegs. Es versteht sich von selbst, dass ein Buch verkauft werden soll, und auch Architekten oder Stoffhasen-Fabrikanten laden potenzielle Kunden und Unterstützer zum Essen ein. Es versteht sich ebenso von selbst, dass man darüber berichtet. Aber ist es nicht trotzdem etwas ulkig, wenn in derselben Postsendung die auf Anhieb überzeugten Kritiker als Argument und der vorangegangene "Magazine Lunch" als effiziente Strategie erwähnt werden? Er rührt schon fast, der unschuldige Stolz, der den Verlag kurz in die Trickkiste blicken lässt, um diese sogleich wieder zu schließen und von einer "meisterlichen Mischung aus eleganter Prosa und fesselndem Stoff" zu sprechen.

Jedenfalls ist es eine dieser Wochen, in denen die Beweggründe von Politikern schleierhaft bleiben mögen, an anderen Stellen aber die Mechanismen hinter den Ereignissen sichtbar werden. In Kambodscha ist ein Mann vor Gericht gegangen, weil er eine Stelle trotz der erforderlichen hohen Bestechungssumme nicht erhalten hat. In Frankreich hat ein Kind versucht, Kirchen anzünden, weil seine kleine Schwester gestorben ist. So reißt mancher auf seine Art den Vorhang weg, hinter dem die mächtigen Getriebe sonst in Ruhe vor sich hinschnurren.

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