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Ein Leben als Dackel - das wär's doch.

Furchtlos

Dackel

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Warum sich eine Wiedergeburt als Adler oder Löwe wünschen? Das FR-Feuilleton grüßt mit einem herzlichen Wuff.

I n diesen Tagen gab es Anlass, sich in einen Dackel hineinzudenken. Ein Tier, das einer gewissen Lächerlichkeit nach Ansicht des Menschen schon deswegen nicht entbehrt, weil es mehr lang ist als hoch. (Der Prototyp des Mehr-lang-als-hoch, die Schlange, wird dagegen eher selten belächelt. Und das, obwohl auch ein Dackel durchaus unangenehm in Knöchel- und Wadenhöhe zubeißen kann. Und die Dackel-Dichte, mindestens in Städten, erheblich höher ist. Aber das nur nebenbei.) Zugegeben wirkt das Hundchen nicht jeder Lebenslage gewachsen. Und selbst wenn es ihr gewachsen ist, nicht immer mit letzter Eleganz.

Ab einer stärkeren Beleibtheit – also wenn der Dackel sich proportional zu seinem Herrchen entwickelt, in Alter und Umfang -, droht sein Bauch über das Trottoir zu schleifen. Dies nun im Gegensatz zu der Wampe seines Herrchens, die der aufrechte Gang plus ein Gürtel doch meistens einigermaßen in der Luft und der Balance halten können. Der aufrechte Gang kommt für den Dackel aus statischen Gründen nicht in Frage. Nicht einmal Treppen steigen soll er regelmäßig, sonst riskiert er Rückenprobleme.

(Die Schlange muss sich da, mag sie auch eine komplette Ziege im Bauch haben, keinen Kopf machen. Aber das wieder nur nebenbei.) Das Herrchen nun mag bisweilen zwar auch statische Probleme haben, die Ursache ist allerdings dann meist temporärer Natur und lässt sich mit einigen Stunden Schlaf bekämpfen.

Vom Dackel aus kann man bei der Frage landen, warum Menschen, die sich für eine mögliche spätere Wiedergeburt ein Tier aussuchen sollen, nie rufen: Dackel! Stattdessen nennen sie Überflieger wie den Adler. Oder Imponierbolzen wie den Löwen, Tiger, vielleicht den Elefanten oder Eisbären. Auch zierlich und rasant Fliegendes wird gern genommen, die Schwalbe etwa. Keiner will die Mücke sein, die ihr zur Nahrung dient. Schon gar keiner der Regenwurm, trotz seiner unbezweifelbaren Verdienste. Überhaupt scheint das Schlängeln und Kriechen ein Ausschlusskriterium zu sein, obwohl, siehe oben, im planen Sein keine Rückenschmerzen, gar Bandscheibenvorfälle drohen.

Wie wir nun auf den Dackel kamen? Leser J. aus H. brachte ihn ins Spiel, in listiger, nicht ganz uncharmanter Weise – indem er nämlich Feuilletonisten mit Dackeln verglich, die die Fuchsbaue der Kultur unermüdlich und furchtlos stürmen. Wir grüßen mit einem herzlichen Japp, Japp, Japp und Wuff.

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