+
Sonnenerwärmung? Hohohohoho!

Times mager

Hitzewelle: Was Dachwohnungen und das Leben auf der Sonne gemeinsam haben

  • schließen

Was Dachwohnungen und das Leben auf der Sonne gemeinsam haben. Die Feuilleton-Kolumne Times mager.

Ungefähr so müssen sich die armen Leute auf der Sonne damals auch gefühlt haben. Als es plötzlich immer heißer wurde und die Alten alle Warnungen der nachwachsenden Generationen in den Wind schlugen. Klimawandel? Hahahahaha! Sonnenerwärmung? Hohohohoho!

Lesen Sie auch: Frankfurt -diese kühlen Orte sollten Sie kennen

Der Rest ist ja bekannt. Heute ist es auf der Sonne so backofenmäßig, dass da schon längst niemand mehr leben kann, im Gegenteil. Dieser Himmelskörper, 150 Millionen Kilometer entfernt von, sagen wir: der Erde, so weit weg, dass man Jahre brauchte, um mit einer Rakete hinzufliegen – der ist so unfassbar heiß, dass bei uns die Wiese schmort. Oder der Wald abfackelt, wenn man seine Brille zwischen eine verdurstete Tanne und die Sonne hält. Dass man sich ständig mit diesem klebrigen Zeug die Haut eincremen muss. Hundertfünfzig Millionen Kilometer weit weg, wie gesagt, die Sonne! Und bestimmt hier über Tag und Nacht, Sommer und Winter. Lasst euch das mal eine Warnung sein.

33 Grad im Schatten

Okay, nun hinkt eventuell ein Vergleich der Sonne mit der Erde ein wenig. Ja, schon gut, kann sein, dass da oben sowieso noch nie jemand gelebt hat. Aber das werden sie von der Erde sicher irgendwann auch behaupten, auf oberschlauen Planeten namens XYZ310alphabetojeoje (oder wie Forscher neu entdeckte Planeten dann sonst nennen werden), wenn sie mit dem Fernrohr auf den glühenden Ball gucken, den wir bis dahin aus unserer einst gemütlichen blauen Kugel gemacht haben.

Lesen Sie hier: Kilmawandel in Japan

„Nein, nein“, wird es in 500 Jahren auf XYZ310alphabetojeoje heißen, „da drüben auf dieser Erde herrscht eine derartige Hitze, eine so lebensfeindliche Atmosphäre, da gab es niemals humanoides Leben, es sei denn, die Vollidioten haben alle ihre fossilen Energieträger verheizt, ihren Bienen die Wildblumen weggesenst, tödlich strahlendes Zeug vergraben oder ins Meer geschmissen, sind den ganzen Tag Auto gefahren und mit dem Flugzeug für anderthalb Euro fuffzich nach Malle geflogen. Aber wer ist schon so blöd? Und wo bleibt eigentlich mein Flugtaxi?“

Füße in die kalte Wanne stellen

Zukunftsmusik. Heute hingegen sitzen wir in unseren Dachwohnungen und fragen uns: Soll ich angesichts der vorhergesagten 40 Grad Celsius an meinen Arbeitsplatz eilen, an dem dann 30 Grad überm Schreibtisch wabern? Oder bleibe ich in meiner Dachwohnung, die trotz hermetischer Rollladenabriegelung 33 Grad im Schatten, also im Stockdunkeln, erreichen wird? Wo ich aber wenigstens die Füße in eine Wanne mit kaltem Wasser stellen kann? Oder gleich komplett aus der Eistonne korrespondieren?

Das sind ungelöste Probleme im dritten Jahrtausend. Unsere Wissenschaftler – aber zum Mars fliegen, das können sie!

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion