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Der Smalltalk biem Friseur kann sich um die verschiedensten Themen drehen.

Times mager

Crashkurs

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Beim Friseur gibt es manches zu lernen, von dem man nicht meinen würde, dass es beim Friseur ein Thema ist.

Auch beim Friseur kam das Gespräch auf den Weltmännertag. Die Frau links kann sich darunter nichts vorstellen, die Frau rechts findet es irgendwie ironisch, die Frau in der Mitte sagt, dass es dabei allerdings nicht um die Unterdrückung des Mannes, sondern um sein mangelndes Gesundheitsbewusstsein gehe. Die Frau links sagt, Männer seien aber auch bockig. Die Frau rechts sagt, dass ihr Mann seit Ewigkeiten zum Urologen müsse. Die Frau in der Mitte sagt, auch sie selbst gehe nur sehr spärlich zum Arzt. Die Frau rechts sagt: oder zur Ärztin.

Der Friseur, ein vehement friedfertiger Mensch, erzählt vom Skandinavien-Urlaub. Es habe in Strömen geregnet, auch sei die Gegend so flach und waldig gewesen, dass sein Freund im Anschluss eine Woche Schweiz gebucht habe, um wieder einmal etwas von oben zu sehen. Der Vorteil des Regens: Keine Insekten, die für teuer Geld erworbenen Abwehrsprays seien nicht zum Einsatz gekommen. Die Frau in der Mitte schaut bedeutungsvoll nach links und rechts, aber die Frau links blättert jetzt im „Stern“, die Frau rechts gibt eine Nachricht in ihr Telefon ein.

Was ist davon zu halten? Hat sich der Mann nicht gesundheitsbewusst verhalten? Wirken die Frauen nicht ein wenig schnöselig? Sieht man sich an, was rund um den Weltmännertag angeboten wird, so stößt man etwa auf eine Väter-Telefon-Aktion, am anderen Ende der Leitung „unter anderem einer der wenigen männlichen Berater der Region“. Oder eine „Gesundheitsaktionswoche“, bei der Männer z. B. mit dem allerdings wirklich überraschenden Fakt konfrontiert werden, dass auch sie einen Beckenboden haben, den es zu kräftigen gilt. Zudem erscheint die Broschüre „Regelmäßig zur Männerinspektion – auch dann, wenn alles rund läuft“. Schon unsere Lehrerinnen und Lehrer wollten uns da abholen, wo wir waren. Uns kam das impertinent durchschaubar vor, andererseits naturgemäß nur an den Stellen, an denen wir es auch gemerkt haben.

Selbst beim Bäcker, erzählt der Friseur, habe man eine Nummer ziehen müssen. Erst komme einem das dumm vor, dann sei es entspannend. Auch die Geschwindigkeitsbegrenzung sei entspannend. Manchmal sei es auch nicht entspannend. Dann müsse man mal alleine durch den Wald und sich abregen.

Beim Friseur kommt jeder auf seine Kosten, der überlegt, nach Schweden zu reisen, oder sich fragt, was am heutigen 3. November Besonderes los ist. Und die Haare macht er auch schön.

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