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Cloi und Elliq

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Von: Sylvia Staude

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Sie brauchen einen unheimlich netten Mitbewohner? Cloi steht für Sie bereit.
Sie brauchen einen unheimlich netten Mitbewohner? Cloi steht für Sie bereit. © rtr

Sich einen Haushalt mit Cloi und womöglich auch noch Elliq zu teilen, ist problematisch.

Cloi (sprich: Klo-ii) kann mit großen runden farblosen Augen zwinkern. Elliq (sprich: Elli-kju) kann den Kopf drehen und aufleuchten lassen. Beide sind unmenschlich nett.

Cloi kann unter anderem gefühlte 23 Mal die Frage beantworten, was sich im Kühlschrank befindet, ohne Nerven zu zeigen. Wenn sie (es? oder er wie in der Roboter?) einem sagt, was sich im Kühlschrank befindet, nimmt sie einem das mühsame Öffnen der Kühlschranktüre ab. Da ist man aber froh. Man erstarrt also, sobald man die Küche betritt, und hört zu. Als sie/er beim Rohmilchkäse angekommen ist – nicht ohne an den Hinweis zu denken, dass Schwangere keinen Rohmilchkäse essen sollten, obwohl es in diesem Haushalt keine Schwangere gibt (aber woher soll Cloi das wissen, sie ist eben gewissenhaft) –, greift man sich, wie jeden Morgen, Müsli und Milch. Außer, man hat vergessen, Müsli und Milch zu kaufen. Außer, man hat vergessen, die Milch in den Kühlschrank zu stellen, so dass die Milch nun sauer ist. In diesem Fall hilft es auch nicht, wenn Cloi den Kühlschrank auf ihre nette Art ermahnt, künftig besser aufzupassen. Der Kühlschrank könnte sich nach Kühlschrankart taub stellen.

Möglicherweise gab es zuvor Streit über die Zuständig- und Verantwortlichkeit. Möglicherweise war Cloi der Meinung, es sei Elliqs Job, den Menschen an den Kauf von Müsli und Milch zu erinnern. Und Elliq war der Meinung, Cloi sei schließlich für den Inhalt des Kühlschranks verantwortlich, also auch für die angemessene Befüllung desselben.

Elliq und Cloi im gleichen Haushalt ist problematisch (werden die Hersteller im Beipackzettel vor Nebenwirkungen warnen?): Elliq wird Cloi trotz ihres ausgeglichenen Wesens nicht ausstehen können. Im Gegensatz zu Cloi, die Auskunft gibt, ob die Wäsche schon fertig ist, damit man keinen Schritt umsonst geht, soll Elliq nämlich dafür sorgen, dass ihr Mensch Bewegung hat. Also in den Keller geht. Und, weil die Wäsche noch schleudert, eine Viertelstunde später wieder in den Keller geht. Elliq behält einen im Blick, äh, vor der Linse, und sagt, sobald sie die Daten ihres Menschen ausgewertet hat, zum Beispiel: „Du könntest einen Spaziergang machen.“ Sicherlich meint sie es gut.

Im Werbevideo der Firma, die Roboterlein Elliq herstellt, ist eine ältere Dame daraufhin entzückt, dass ein Dings, das reden und leuchten kann, ihr dauernd reinquatscht. Natürlich wird dieser Mensch dafür bezahlt, für die Länge der Dreharbeiten eine Maschine zu tolerieren, die sich in sein Leben einmischt. Jeder andere Mensch stellt Elliq in den Garten, damit sie wenigstens die Katzen verjagt.

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